Zuerst die gute oder die schlechte Nachricht?

Während Empfänger eine schlechte Nachricht zuerst hören möchten, kann es als Sender sinnvoll sein, diese als letztes zu vermitteln, um die Motivation zur Verhaltensänderung zu steigern. Dies berichtet der Lehrstuhl für Sozialpsychologie der Universität Mannheim und verweist auf eine entsprechende Studie. Wir zitieren den Originaltext:

Welche Nachricht würden Sie zuerst hören wollen – die gute oder die schlechte? Wir alle haben Präferenzen, in welcher Reihenfolge wir Informationen erhalten möchten. Auf der anderen Seite haben wir alle schon Nachrichten überbracht und mussten entscheiden, in welcher Reihenfolge wir Nachrichten selbst vermitteln möchten.

Manager

Zuerst die gute Nachricht: Ihre Präsentation war erstklassig. Und nun die schlechte: Wir saufen ab.

Angela M. Legg und Kate Sweeney von der University of California konnten zeigen, dass Sender und Empfänger von Nachrichten unterschiedliche Präferenzen bezüglich der Reihenfolge haben. So gaben Empfänger mit großer Mehrheit an, dass sie bei zwei Nachrichten lieber erst die schlechte hören möchten. Die Empfänger begründeten Ihre Präferenz damit, dass die gute Nachricht positive Gefühle hervorrufen und den Einfluss der schlechten Nachricht reduzieren könne. Stattdessen gaben Sender eher an, zuerst die gute Nachricht und dann die schlechte Nachricht übermitteln zu wollen. Die Autorinnen führen das darauf zurück, dass das Überbringen von schlechten Nachrichten unangenehm ist und lieber hinaus gezögert wird.

In einer weiteren Studie überprüften die Forscherinnen, ob Sender die Reihenfolge der Informationen an die Präferenzen der Empfänger anpassen können. Sie baten dafür Studierende, einer unbekannten Person eine Rückmeldung über ihr Ergebnis in einem Persönlichkeitstest mitzuteilen. Das Ergebnis des Tests attestierte der fremden Person sowohl gute als auch schlechte Persönlichkeitseigenschaften. Die Forscherinnen baten eine Hälfte der Teilnehmenden, sich in die Position ihres Gegenübers hinein zu versetzen und zu berücksichtigen, dass die schlechten Nachrichten Sorgen auslösen könnten. Die andere Hälfte erhielt keine Anweisungen. In der Tat änderten die Studierenden, welche sich in die andere Person hineinversetzen sollten, die Reihenfolge der Nachrichten tatsächlich ab und vermittelten verstärkt zuerst die schlechte und dann die gute Nachricht.

Doch ist diese Reihenfolge auch sinnvoll für die Empfänger? Die Forscherinnen vermuteten, dass Empfänger sich mehr Sorgen machen und eher traurig sein würden, wenn ihnen zuerst die gute und dann die schlechte Nachricht mitgeteilt wird. Auf der anderen Seite nahmen sie an, dass diese umgekehrte Reihenfolge dazu führen könnte, dass Empfänger eher versuchen, etwas an ihrer Position zu verändern. Tatsächlich konnten die Forscherinnen zeigen, dass Studierende, die nach einem fiktiven Feedback zu ihrer Persönlichkeit zuletzt die negative Nachricht erhalten hatten, eher bereit waren, ein Angebot zur Persönlichkeitsförderung anzunehmen.

Wenn Sie nun das nächste Mal gute und schlechte Nachrichten übermitteln möchten, können Sie vorab überlegen, welches Ziel Sie verfolgen. Möchten Sie es Ihrem Gegenüber möglichst angenehm machen, könnten Sie eher die negative Nachricht zuerst berichten. Ist es jedoch Ihr Ziel Ihr Gegenüber dazu zu motivieren, das eigene Verhalten zu ändern, könnte es hilfreich sein, die negative Nachricht zuletzt zu übermitteln.

Legg, A. M., & Sweeney, K. (2014). Do you want the good news or the bad news first? The nature and consequences of news order preferences. Personality and Social Psychology Bulletin, 40, 279-288

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