Zu früh gefreut: Dicke Männer verdienen nur in der Produktion mehr

In Windeseile verbreitete sich in den vergangenen Tagen die Schlagzeile, dass dicke Männer angeblich ein fettes Gehalt bekommen, dicke Frauen und dünne Männer dagegen nicht. Dabei bezogen sie sich auf eine Studie der deutschen Wissenschaftler Marco Caliendo (Potsdam) und Markus Gehrsitz (New York), die unter dem Titel „Obesity and the Labor Market: A Fresh Look at the Weight Penalty” (PDF) veröffentlicht worden ist.

Männer in XXXL-Größen können sich im Büro nicht über mehr Gehalt freuen.

Männer in XXXL-Größen können sich im Büro nicht über mehr Gehalt freuen.

Die meisten Publikationen, die über diese Studie berichteten, vergaßen allerdings, ein kleines, aber sehr wichtiges Detail zu erwähnen: Das Gewichtsplus können nur diejenigen Männer in ein Gehaltsplus umwandeln, die in der Produktion tätig sind. Für Bürojobs gilt das nicht. Originalzitat aus der Studie (Seite 17): “…our study suggests that male body weight only matters in blue-collar occupations. In such jobs, a low body mass index tends to reflect a lack of muscular strength, causing lower wages.”

Und in einem Interview auf Spiegel-online sagt Studien-Co-Autor Caliendo noch einmal ganz deutlich: „Wir haben herausgefunden, dass untergewichtige Männer bis zu acht Prozent weniger verdienen als normal- oder übergewichtige – das gilt aber nur für Arbeiter in der Produktion. Vermutlich hängt das mit der Muskelmasse zusammen, die für körperliche Arbeit wichtig ist.“ Bei Büroarbeitern, so führt Caliendo weiter aus, „wirkt sich das Körpergewicht fast nicht aufs Gehalt aus. Also auch nicht in der Form, dass übergewichtige Männer weniger verdienen.

Tatsächlich zeigt sich, dass die Studie nicht geeignet ist, die bisherigen Beobachtungen über die Beziehung zwischen äußerem Erscheinungsbild und Karriere auf den Kopf zu stellen. Danach haben Menschen, die dem geltenden Schönheitsideal entsprechen,  bessere Aufstiegschancen als andere, die das nicht tun, und beziehen in der Regel auch ein höheres Einkommen. Das gilt sowohl für Frauen als auch für Männer.

 

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