Wie werde ich mein eigener Chef? Der Schritt in die Selbstständigkeit durch Gründung einer Ich-AG

Als Ich-AG wurde urprünglich ein Einzelunternehmen bezeichnet, das aus einer Arbeitslosigkeit heraus gegründet wird. Der Begriff wurde zu Beginn der Nuller Jahre im Rahmen der Agenda 2010 geprägt. Heute gibt es die Ich-AG in der damaligen Form nicht mehr. Der Begriff hat sich jedoch für ein Einzelunternehmen etabliert, mit dem Menschen eine neue Existenz aufbauen möchten, die auf dem Arbeitsmarkt nicht gut vermittelbar sind oder ihren Job kündigen, um mit einer guten Geschäftsidee ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Die Ich-AG galt über einige Jahre als sehr erfolgreich. Viele Menschen konnten sich auf dem Arbeitsmarkt etablieren und kehrten nicht mehr in die Arbeitslosigkeit zurück. Dies war das erklärte Ziel der Ich-AG. Wer die Voraussetzungen erfüllte, bekam einen Zuschuss zur Existenzgründung. Der Zuschuss lief über drei Jahre und verringerte sich mit jedem Jahr nach dem Beginn der Selbstständigkeit. Als das Projekt im Jahre 2006 auslief, war ihm ein großer Erfolg beschieden. Aus diesem Grund wurde kritisiert, dass die Regelung kein Fortführung fand.

Aktuelle Regelungen für den Zuschuss zur Existenzgründung

Zuschüsse zur Existenzgründung werden von der Agentur für Arbeit auch heute noch gewährt. Im Gegensatz zur Ich-AG ist der Anspruch jedoch vom Ermessen abhängig. Als die Gesetze zur Ich-AG noch galten, hatte jeder Existenzgründer Anspruch auf den Zuschuss, der die damals geltenden Voraussetzungen erfüllte. Heute ist es notwendig, dass der Gründer sein Projekt vorstellt, eine Arbeitsbeschreibung erbringt oder einen Geschäftsplan vorlegt. Der Zuschuss wird nur bei Bewilligung des eingereichten Projekts gewährt und ist an dieses gebunden. Die Unterstützung erfolgt längstens für 15 Monate. Um in den Genuss der Förderung zu kommen, muss der Antragsteller folgende Voraussetzungen erfüllen:

* Anspruch auf die Zahlung von Arbeitslosengeld I
* Leistungsanspruch muss bei Antragstellung noch mindestens 150 Tage bestehen
* in den letzten 24 Monate darf kein Gründungszuschuss gewährt worden sein

Wenn die Erfüllung aller Voraussetzungen vorliegt und der Businessplan genehmigt wurde, kann der Zuschuss gezahlt werden.

Wer sich selbstständig machen möchte, sollte alle Finanzierungsmöglichkeiten kennen und ausschöpfen.

Antragsteller muss arbeitslos sein

Wenn ein nichtselbstständiger Arbeitnehmer die Kündigung erhält, muss er sich unverzüglich beim Arbeitsamt oder Jobcenter melden. Dies gilt auch, wenn es eine Kündigungsfrist gibt. Bei langjährig Beschäftigten beträgt die Kündigungsfrist oftmals bis zu einem Dreivierteljahr. Dies kann der Fall sein, wenn die Kündigung beispielsweise nur bis zum Ende eines Quartals erlaubt ist und eine sechsmonatige Frist aufgrund langer Betriebszugehörigkeit eingehalten werden muss. Meldet sich der Arbeitnehmer beim Jobcenter und legt einen Businessplan für eine Selbstständigkeit vor, um nach der Kündigung direkt in die neue Herausforderung hinüberzugehen, ist dies nicht möglich. Der Arbeitnehmer hätte keinen Anspruch auf einen Existenzgründungszuschuss. Er muss sich beim Antrag auf eine Förderung mindestens ein Tag in der Arbeitslosigkeit befinden und die Zahlung des Arbeitslosengeldes muss genehmigt worden sein.

Höhe des Gründungszuschusses

Die Höhe des Gründungszuschusses kann bestenfalls als Grundsicherung verwendet werden. Sie bekommen sechs Monate lang Ihr volles Arbeitslosengeld. Hinzu kommt eine Pauschale von 300 EUR zur Deckung von Energiekosten. Nach sechs Monaten können Sie für weitere neun Monate 300 EUR monatlich beanspruchen. Dann ist die Förderung beendet. Da Sie in der Regel höhere Mittel für den Start in die eigene Existenz benötigen, müssen Sie verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten ausschöpfen. Dazu gehören Förderdarlehen, beispielsweise von der KfW-Bank, Darlehen von der Bank, Erspartes oder Hilfen aus der Familie und dem Freundeskreis.

Start in die Selbstständigkeit

Mit dem eigentlichen Gang in die Selbstständigkeit sind verschiedene Formalitäten verbunden, die Sie erledigen müssen, bevor Sie sich Ihrer eigentlichen Tätigkeit widmen können. Dazu gehören:

* Gewerbeschein beim zuständigen Amt beantragen
* Krankenversicherung abschließen (private oder freiwillig gesetzliche Versicherung)
* Rentenversicherung abschließen, wenn für die Branche gefordert
* ggf. Meldung der Umsatzsteuerpflicht beim Finanzamt
* Eröffnung eines Geschäftskontos

Als Existenzgründer können Sie verschiedene Hilfen und Beratungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen. Wenden Sie sich an Finanzamt und Gewerbeamt, um die entsprechenden Auskünfte zu erhalten. Auch das Jobcenter oder Experten einer Gründungsberatung helfen in der Anfangszeit gern weiter.

 

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