Wer nur trinkt, weil er Durst hat, wird es im Job nicht weit bringen

(Der folgende Text stammt aus meinem Buch “Professor Bosses total verrückte Karrieretipps“. Prof. Dr. Hans-Dieter Bosse ist Leiter des Instituts für Business bedingte Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen und ein Star, ach was, eine Ikone auf diesem Gebiet. Und trotzdem ist er ganz Mensch geblieben. Was man von manchen Managern nicht sagen kann.)

Wie sieht´s aus, trinken Sie gerne mal einen über den Durst? Ja? Wunderbar. Dann haben Sie nämlich gute Voraussetzungen, Karriere zu machen. Ja wirklich, kein Scherz.

Ein Kollege von mir, ein Wissenschaftler von der Universität Calgary in Kanada, hat herausgefunden, dass Angestellte, die bei betriebsinternen Feiern gerne mal einen heben, zehn Prozent mehr Gehalt verdienen als ihre abstinenten Kollegen. Das ist interessant, nicht wahr? Was heißt das für die Praxis? Und was heißt das vor allem für Sie?

Nun, ganz klar: Vergessen Sie alles, was Sie bisher über die schädlichen Wirkungen des Alkohols gelernt haben. Es ist an der Zeit, mit liebgewordenen, nichtsdestrotrotz offenkundig falschen oder überholten Denkgewohnheiten zu brechen. Bisher galt es ja als eine der sichersten Methode, sich die Karriere zu verbauen, wenn man im Kollegenkreis und bei Vorgesetzen im Ruf eines trinkfreudigen Pichelmeiers steht. Nun müssen wir komplett umlernen: Nicht der Bier-, Wein- und Schnapstrinker hat ein Alkoholproblem, sondern der Abstinenzler. Merke: Wer beruflich vorwärts kommen will, muss ganz schön was schlucken können.

a good glass of wine

Wenn ein Manager vor Freude über einen Geschäftsabschluss wie besoffen wirkt, dann ist er es meistens auch.

 

Schon die Lateiner wussten ja: „In vino veritas!“ Im Wein liegt die Wahrheit – der Schwindel liegt im Etikett. Spaß bei Seite: Im betrunkenen Zustand zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen. Um beurteilen zu können, ob ein Mitarbeiter zur Führungskraft taugt, muss er erst einmal hackeblau erlebt werden.

Auch die Frage der Belastbarkeit spielt hier eine große Rolle. Gerade an Mitarbeiter im Außendienst werden in dieser Hinsicht hohe Anforderungen gestellt. Denn bekanntlich beginnt eine einigermaßen vernünftige Geschäftsbeziehung zwischen Lieferant und Kunde erst mit einem gemeinsamen kräftigen Rausch. Vertriebsleute, die für diese wichtige Aufgabe nicht die erforderliche Prädisposition mitbringen, sitzen schnell auf dem Trockenen und sollten in die Buchhaltung versetzt werden.

Wenn Sie Ihre Top-Manager von morgen suchen, vergessen Sie Einstellungstest, psychologische Gutachten und Rollenspiele. Organisieren Sie eine zünftige Party und dann gucken Sie einfach zu. Die grauen Mäuse, die sich mit dem deprimiertem Gesichtsausdruck an ihrem lauwarmen Glas Mineralwasser (ohne Kohlensäure) festhalten, können Sie sofort aussortieren. Die braun gebrannten, gut gelaunten Erfolgsmenschen, die umringt von schönen Frauen ein Glas nach dem anderen in sich hineinkippen, sollten Sie am besten noch am selben Abend den Arbeitsvertrag unterschreiben lassen oder befördern.

Frei nach dem Motto von Humphrey Bogart: „Man muss dem Leben immer um mindestens einen Whisky voraus sein.“

Ich fasse für ein erstes Zwischenfazit zusammen: Alkohol ist gut für die Karriere. Zigaretten übrigens nicht. Dass da keine Missverständnisse aufkommen. Derselbe kanadische Wissenschaftler hat nämlich herausgefunden, dass Raucher zehn Prozent weniger verdienen als ihre nikotinfreien Kollegen.

Alkohol also, da gibt es gar kein Vertun, ist ein Karrierebeschleuniger. Das sagt ja auch schon der Volksmund, der statt „Alkohol“ gerne von „Sprit“ spricht. Sprit, so wie das Zeug, das Sie Ihrem Auto immer zu trinken geben. Und wenn einer kräftig gebechert hat, sagen Sie ja auch „Mann, der hat aber wieder ordentlich getankt.“ Ja, Sprit ist eben nicht nur der Treibstoff fürs Auto, sondern auch für die Karriere.

Und auch sonst ist beim Manager vieles wie beim Auto. Der Ford Fiesta verbraucht eben weniger als der Porsche Panamera, und wer schnell vorwärts kommen will, braucht mehr Sprit als der Richtgeschwindigkeitsdösel und der Zweieinhalbtausendtourenfahrer. Was das jetzt für Sie heißt, können Sie sich selber zurechtbiegen.

Falls Sie nun meinen „Kanada, alles klar, da oben bei den Holzfällern und Bären mag das ja so sein, aber in unserer Hochkultur sieht die Sache anders aus“, falls Sie dies meinen, kann ich Ihnen sagen: Sie irren sich. Auch hier in unserer Hochkultur gehören Alkohol und Management sehr eng zusammen. Das kann ich aufgrund meiner Erfahrungen als Leiter des Instituts für Business bedingte Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen zweifelsfrei bestätigen. Denn ein Großteil der Manager, die zu uns kommen, sind schwere Alkoholiker. Ein Pfarrer, mit dem ich mich vor kurzem über diese Sache unterhalten hatte, war darüber überhaupt nicht erstaunt. „Alkohol im Management“, sagte er nur, „ist doch völlig klar, da sind ja auch die größten Flaschen.“ Das war natürlich böse und ungerecht. Denn was ist mit den Politikern? Auch da wird gesoffen, bis das Parteibuch kotzen muss.

Aber zurück zu den Managern: Was glauben Sie, warum die Vorstände der DAX-Unternehmen allesamt einen Fahrer haben? Nein, nicht weil sie nicht fahren könnten. Sondern weil sie nicht mehr fahren dürfen. Den Führerschein hat nämlich schon längst die Polizei.

Es gibt übrigens Firmen, in denen werden die Gehaltserhöhungen des Managements nicht mehr in Prozent, sondern in Promille angegeben. Letztens schrieb eine Zeitung, dass sich der Vorstand eines DAX-Unternehmens in Bezug auf die Vergütung „einen ordentlichen Schluck aus der Pulle“ gegönnt hat. Das war keine Metapher!!!

Manager sind ja von Haus aus Optimisten. Deshalb ist für sie ein Glas auch nie halbleer, sondern immer halbvoll. Mindestens. Vor allem das eigene. Wenn ein Manager vor Freude über einen Geschäftsabschluss wie besoffen wirkt, dann ist er es meistens auch. Letztens hatte ich den Geschäftsführer eines großen Autohändlers bei mir in der Sprechstunde. Der hatte sich selbst eingeliefert, nachdem er seinen Kunden statt eines „Hol- und Bring-Services“ einen „Alkohol- und Trink-Service“ angeboten hatte.

Einen anderen Manager, der zu mir in die Praxis gekommen war, musste ich auffordern, mal für eine Zeit mit dem Trinken aufzuhören. Der Grund: Seine letzte Blutprobe hatte sich verflüchtigt, bevor ich sie untersuchen konnte!

Und in vielen Firmen geht die Geschäftsentwicklung sauf und runter. Paradox ist es übrigens, wenn der Vorstand seine Kollegen dazu auffordert, mal ganz nüchtern auf die Zahlen zu blicken.

Ich fasse erneut zusammen: Was ist heutzutage nötig, um Karriere zu machen? Sicher, Fleiß schadet nicht. Aber das reicht nicht mehr aus. Ohne einhundertprozentigen körperlichen Einsatz läuft hier nichts. Männer interpretieren diese Bedingung anders als Frauen. Männer trinken sich nach oben. Man kann es auch so sagen: Während andere für ihre Karriere mit ihrer Unschuld bezahlen, bezahlen Männer mit ihrer Leber. Oder so: Wo früher unsere Leber war, ist heute eine Minibar!

Es gibt ja noch immer Menschen, die halten Alkohol für etwas Schlechtes und Gefährliches und etwas, vor dem man unsere Jugend schützen muss. Vergessen Sie den ganzen Quatsch. Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Alkohol eine ganz prima Sache ist. Zum Beispiel ist er gut fürs Gehirn. Kein Quatsch!

Ich habe immer wieder Manager und Unternehmer in meiner Praxis, die sich darüber beklagen, dass ihre Mitarbeiter so häufig vergessen, wer eigentlich ihre Gehälter zahlt. Wissen Sie´s? Richtig, die Kunden zahlen die Gehälter. So, und damit kann jetzt Schluss sein. Nein, nicht mit dem Rechnung zahlen, sondern mit dem Vergessen. Denn wie Wissenschaftler festgestellt haben, können ein, zwei Gläser Wein pro Tag die Gedächtnisleistung des Menschen verbessern.

„Rebensaft ist gut fürs Gehirn“, sagt zum Beispiel der in den USA lehrende Mediziner Giulio Pasinetti und stützt seine Aussage auf entsprechende Forschungsergebnisse. Schon früher hatte der deutsche Gehirnforscher Ernst Pöppel ähnliche Erkenntnisse gewonnen. „Unsere Studien zeigen, dass Menschen, die Alkohol trinken, durchschnittlich über eine bessere Gehirnleistung verfügen als Abstinenzler“, stellt der Wissenschaftler fest. (Pöppel sagte übrigens „Menschen, die moderat Alkohol trinken“, aber das sind Details.)

So einfach ist das also: Damit die Mitarbeiter nicht vergessen, wer ihr Gehalt zahlt, spendiert der Arbeitgeber ihnen einfach jeden Tag ein oder zwei Gläschen Wein. Kann ruhig ein billiger Lambrusco sein. Weg also mit Kaffee, Cola und Red Bull und her mit Traminer, Spätburgunder und Riesling. In jeder Firma sollte die Weinflasche auf dem Schreibtisch zur selbstverständlichen Optik gehören. Mit derart einfachen und preisgünstigen Mitteln kann man sich heute noch einen Wettbewerbsvorsprung verschaffen.

Ja, ich weiß und Sie haben Recht: Alkohol ist nicht alles. Es gibt auch noch andere Drogen. Kokain oder Psychopharmaka zum Beispiel. Auch immer gerne genommen. Aber es gibt auch ganz gewöhnliche Substanzen, die dazu verhelfen, die eigenen Ziele zu erreichen. Kaffee zum Beispiel. Nicht dass Sie selbst zur Kaffeetasse greifen sollten. Das bringt nichts. Aber es gibt Situationen, da sind Sie gut beraten, wenn Sie Ihren Gesprächspartner großzügig mit Kaffee zu versorgen.

Wissenschaftlern der University of Queensland in Australien haben nämlich herausgefunden, dass Koffein zugänglich macht für Argumente, die gegen die eigene Auffassung sprechen. Mit jedem Schluck Kaffee, den Ihr Gegenüber zu sich nimmt, wächst sein Verständnis für Ihre Lage und Ihre Argumente.

Ist das nicht großartig? Kaffee hat also nicht nur eine harntreibende, sondern auch eine manipulative Wirkung. Machen Sie sich diese Eigenschaft zunutze.

Ein Beispiel: Einer Ihrer Mitarbeiter verlangt ein höheres Gehalt und droht, zu ihrem schärfsten Konkurrenten zu wechseln, wenn Sie seiner Forderung nicht nachkommen. Wie reagieren Sie? Sie bieten ihm erst mal eine gute Tasse Kaffee an und achten natürlich auch darauf, dass er schön austrinkt. Dann jammern Sie, darüber, wie hart die Zeiten sind und wie hoch die Kosten, und dann noch die Steuern, und die Leasingraten für Ihren Panamera und dass Sie nachts kaum noch ein Auge zu machen können. Am Ende hat Ihr Mitarbeiter den Kaffee auf, nimmt Sie tröstend in den Arm und schämt sich für seine Unverfrorenheit, angesichts Ihrer schwierigen Lage an eine Gehaltserhöhung überhaupt gedacht zu haben.

Wichtig ist natürlich, dass sie selbst während wichtiger Verhandlungen und Gespräche unbedingt auf Kaffee verzichten sollten. Trinken Sie Tee. Damit irritieren Sie zum einen Ihren Kontrahenten („Wie, es steht hier viel auf dem Spiel, und der trinkt Tee?“). Und zum anderen ist Tee ein wirksames Mittel gegen Stress. Britische Wissenschaftler aus London haben nämlich herausgefunden, schwarzer Tee den Cortisol-Spiegel senkt. Cortisol, Sie erinnern sich, Stress.

Dazu haben die Forscher Männern sechs Wochen lang jeden Tag vier Tassen Schwarztee eingetrichtert, und am Ende kam heraus, dass die Versuchspersonen das Stresshormon Cortisol um 20 Prozent seltener ausschütteten als Tee-Abstinenzler.

Gut, ich weiß: Sechs Wochen Tee sind nicht jedermanns Sache, und der eine oder andere wird vermutlich sagen: Bäh, Tee, da hau ich meinem Gegenüber doch lieber gleich eins in die Fresse, das hilft auch gegen Stressabbau. Vom rein medizinischen Standpunkt aus betrachtet: Völlig richtig! Aber in der konkreten geschäftlichen Situation mitunter eher suboptimal.

Daher meine Empfehlung: Kippen Sie den Tee in den Ausguss und lassen Sie sich von Ihrer Sekretärin ein Glas Wein bringen. Sollte Ihr Gegenüber irritiert reagieren, bleiben Sie souverän und berufen Sie sich auf Ihren Hausarzt. Der habe Ihnen den Wein quasi aus medizinischen Gründen verordnet. Wegen des Stresses und wegen der Pumpe, und weil Wein eben vor Herzkrankheiten schütze. Ist ebenfalls wissenschaftlich erwiesen. Es muss auch nicht unbedingt Rotwein sein, den manche nicht so gut vertragen und von dem sie schon nach zwei Flaschen leichtes Kopfweh bekommen. Wissenschaftler der Universität von Connecticut konnten nämlich nachweisen, dass Weißwein genauso gut fürs Herz ist.

Sooo, das war ja bisher alles schon ganz schön interessant, nicht wahr? Und zweifelsohne auch von hohem praktischen Nutzwert. Ich denke, Ihnen ist deutlich geworden, dass Alkoholismus und Management eben doch zwei Seiten desselben Kronkorkens sind. Glauben Sie mir, ich kann das aus meiner langjährigen Praxis als Leiter des Instituts für Business bedingte Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen beurteilen. Da war zum Beispiel vor ein paar Wochen der CEO eines großen deutschen Handelsunternehmens in meiner Sprechstunde. Ich habe ihn gründlich untersucht, konnte aber keine eindeutige Diagnose stellen. Also sagte ich zu ihm: „Trinken Sie mal vier Wochen keinen Alkohol, dann sehen wir, ob sich ihre Krankheit bessert.“ Darauf der CEO: „Könnte ich nicht lieber vier Wochen lang doppelt so viel Alkohol trinken und wir sehen dann, ob meine Krankheit sich verschlimmert?“

Ein anderer Top-Manager zeigte ebenfalls ein diffuses Krankheitsbild. Ich sagte ihm: „Leider kann ich die Ursache Ihrer Krankheit nicht finden, aber vielleicht liegt es am Alkohol.“ Entgegnet er mir: „Gut, dann komme ich wieder, wenn Sie nüchtern sind!“

Oder letztens, da wurde ein einstmals sehr erfolgreichen Unternehmer in unser Institut eingeliefert, der erst seine Firma in den Bankrott gesteuert hatte und dann auch noch Privatinsolvenz hatte beantragen müssen. Der Mann war am Ende. Ich sagte dann zu ihm: „Mein lieber Mann, der Alkohol und nichts als der Alkohol ist schuld an Ihrer unglücklichen Lage!“ Darauf er: „Vielen Dank, Herr Professor, Sie sind der erste, der nicht mir die Schuld in die Schuhe schiebt.“

Tja, so sieht´s aus. Natürlich, man muss auch dies feststellen: Manche Manager übertreiben es mit dem Saufen. Auch hier gilt wie überall: Man sollte wissen, wann man genug hat. Das ist wie beim Spinat essen: Zu viel ist dann auch wieder nicht gut und man muss sich übergeben. Klingt komisch, ist aber so. Aber wie schon die Toten Hosen so schön gesungen haben: „Kein Alkohol ist auch keine Lösung.“

(Damian Sicking)

 

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