Volkswagens Powerpoint-Entscheidung: Ende des Showprogramms

Die Kolumne von Damian Sicking

Wer sagt denn, dass die Vorstände der deutschen Unternehmen nicht lernfähig sind! Kaum sind zwölf Jahre seit der Veröffentlichung des Aufsatzes „Powerpoint is evil“ („Powerpoint ist grausam“) des amerikanischen Wissenschaftlers Edward Tufte im Magazin Wired vergangenen, da beschließt der Vorstand des deutschen Autobauers Volkswagen, die beliebte Präsentationssoftware von Microsoft weitgehend aus seinen Sitzungen zu verbannen. Ein entsprechender Bericht der Welt („VW startet Großoffensive gegen Powerpoint-Exzesse“) sowie des hauseigenen Supplements Bilanz sorgten in der vergangenen Woche für Aufmerksamkeit und Beachtung. Management-Berater Reinhard K. Sprenger gab im selben Blatt der Entscheidung des Dax-Vorstandes seinen Segen.

Konferenzraum - Schlafen

Die Powerpoint-Präsentation war wieder einmal sehr inspirierend.

Ich bin ja sehr gespannt, ob das Beispiel Volkswagen Schule macht – auch im eigenen Unternehmen. Wird also auch in den unteren Hierarchieebenen des Autobauers aus Wolfsburg den Powerpoint-Schlachten der Krieg erklärt? Ich bin da ein klein wenig skeptisch, muss ich gestehen. Denn dazu gibt es in den Unternehmen einfach zu viele Blender und Schaumschläger. Und diese wären ohne Powerpoint & Co. wie der Kaiser ohne Kleider im Märchen von Hans Christian Andersen – total nackt.

Was allen Präsentationsprogrammen nämlich gemein ist, ist die Verführung, die Form über den Inhalt zu stellen. Das gilt nicht nur für Powerpoint von Microsoft, sondern für alle diese Programme, also auch für Prezi, ja, ich möchte sogar noch einen Schritt weitergehen und behaupten, vor allem für Prezi, denn mit Prezi kann man noch viel mehr wertvolle Zeit unnütz verschwenden als mit Powerpoint. Aber gut. Man kann es auch so sagen: Viele Präsentationen in den Firmen sind vor allem eins: der endgültige Triumph der Form über den Inhalt. Daher sind Powerpoints bei Blendern, Dünnbrettbohrern und Schaumschlägern auch so außerordentlich beliebt. Sie haben zwar nichts Substanzielles zu sagen, überblenden dies aber mit einem bunten Showprogramm. Ja, das ist es: Powerpoint ist ein Showprogramm. „Menschen, die wissen, worüber sie reden, brauchen kein Powerpoint“, soll Steve Jobs mal gesagt haben. Und dem ist nichts hinzuzufügen.

 

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