Schlechte Laune einfach „weglächeln“? Schön wär´s!

Es gibt ja Menschen, die empfehlen einem, sich bei schlechter Laune vor einen Spiegel zu stellen und sich einfach mal eine Weile anzulächeln. Also sich selbst eine Weile beim Lächeln zuzusehen. Dadurch, so das Versprechen, würde die Laune automatisch besser werden und die Stimmung wieder fröhlich. Vorher noch zum Heulen zumute, könne eine solche Lächel-Therapie für den Hausgebrauch wahre Wunder wirken. Vor allem im Vertrieb (Callcenter!) soll  diese Maßnahme die Erfolgschancen auf einen Abschluss erhöhen.

Dazzling smile

Die „Lächel-Therapie“ kann auch nach hinten los gehen und die Laune sogar verschlechtern.

Doch wie sich jetzt zeigt, ist hier wohl nur der Wunsch der Vater des Gedankens. Ganz so einfach ist es nämlich nicht. Darauf weist die Universität Mannheim unter Bezugnahme auf eine jüngere Forschungsarbeit hin. Erstaunlicherweise kann der Schuss nämlich sogar nach hinten los gehen: Willkürliches oder aufgesetztes Lächeln bessert danach nicht unsere Laune oder unsere Stimmung, sondern es kann sie sogar verschlechtern. Das zumindest legt die Studie einer amerikanisch-kanadisch-chinesischen Forschergruppe nahe.

Die Wissenschaftler nahmen an, dass Lächeln nur unter bestimmten Bedingungen ein Anzeichen für einen positiven Gemütszustand sei. Denn ein Lächeln könne einerseits zwar bereits bestehende Freude ausdrücken (das sogenannte reaktive Lächeln). Andererseits würde oftmals auch nur gelächelt, um bestimmt emotionale Zustände wie Verlegenheit, Ärger oder Traurigkeit zu überspielen. Wer lächele, könne demzufolge also glücklich, aber eben auch unglücklich sein. Die Forschungsgruppe vermutete deshalb, dass häufiges Lächeln nur bei solchen Personen zu mehr Wohlbefinden führe, die ein Lächeln als Ausdruck von bereits bestehender Freude einschätzten (reaktiv). Personen, die ein Lächeln eher mit dem Versuch, glücklicher zu werden, oder dem Überspielen von negativen Emotionen in Verbindung bringen (proaktiv), sollten sich im Umkehrschluss schlechter fühlen, wenn sie häufig lächeln. Denn Lächeln lege den Personen nahe, dass sie aktuell gar nicht glücklich seien.

Um diese Annahmen zu überprüfen, führten die Forscher ein Experiment durch. Hierbei wurde einer Gruppe von Teilnehmenden glaubhaft gemacht, dass Menschen meist reaktiv lächeln, also wenn sie bereits glücklich sind. Der anderen Gruppe wurde vorgegeben, dass Menschen eher proaktiv lächeln, also um nach Verstimmungen glücklicher zu werden. Anschließend erhielt ein Teil der Befragten die Aufgabe, sich einen Stift zwischen die Zähne zu klemmen, ohne ihn mit den Lippen zu berühren. Durch diese Bewegung wurde die Lachmuskulatur aktiviert und somit ein Lächeln simuliert. Der andere Teil der Befragten wurde veranlasst, einen Stift zwischen die Lippen zu legen. Auf diese Art wurden die Lachmuskeln still gehalten, ein Lächeln also nicht ausgelöst. Diese Aufgabe sollte jeweils zehn Mal wiederholt werden. Letztlich wurden die Probanden gefragt, wie glücklich sie mit ihrem Leben seien.

Wie erwartet zeigte sich, dass sich die Teilnehmer, bei denen die reaktive Interpretation des Lächelns aktiviert worden war, nach häufigem Lächeln glücklicher fühlten als nach häufigem Nicht-Lächeln. Die Teilnehmenden, denen jedoch glaubhaft gemacht worden war, dass Menschen meist proaktiv lächeln, reagierten gegenteilig: Sie waren glücklicher, wenn sie häufig nicht gelächelt hatten.

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass der gut gemeinte Ratschlag, zu lächeln, um das Wohlbefinden aufzuhellen, auch das Gegenteil auslösen kann. Denn nur, wenn Lächeln reaktiv interpretiert wird, scheint es den gewünschten Effekt zu erzielen.

 

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