„Reden wir doch mal über Glück…“ Zum Beispiel mit Dorette Segschneider

Für Sie ist es ein Glück, einen Arbeitsplatz zu haben, vielleicht sogar einen sicheren Arbeitsplatz und dann auch noch einen gut bezahlten. Aber empfinden Sie auch Glück AN Ihrem Arbeitsplatz? Oder ist das zuviel verlangt?  Nein, sagt Executive Coach Dorette Segschneider*, das ist absolut nicht zuviel verlangt, aber Sie selbst sind dafür verantwortlich, dieses Glück auch einzufangen. Wie das geht, verrät sie im Interview mit Der Vorgesetzte.

Frau Segschneider, der deutschen Wirtschaft gehen Schätzungen zu Folge pro Jahr 364 Milliarden Euro verloren, weil Mitarbeiter am Arbeitsplatz „unglücklich“ sind. Ist das nicht überraschend viel?

Es ist vor allem erschreckend viel. Die Zahl resultiert aus einer Umfrage des HWWI (Hamburgisches Welt Wirtschaftsinstitut). Die Studie hat nachgefragt, welche Sorgen und Probleme deutsche Arbeitnehmer belasten und wie sich diese auf ihre Produktivität am Arbeitsplatz auswirken. Wir alle wissen, dass Menschen, die durch Sorgen und Probleme belastet sind, weniger Leistung am Arbeitsplatz erbringen. Das kennt wahrscheinlich jeder aus eigener Erfahrung.

Die spannende Frage für Unternehmen ist doch: Welche Konsequenzen hat die daraus resultierende mangelnde Produktivität? Welche Kosten entstehen dadurch? Gefragt wurden die Arbeitnehmer, inwieweit körperliche Beschwerden und psychische Belastungen – sowohl im privaten Bereich als auch am Arbeitsplatz – ihre persönliche Leistung mindern. Das Ergebnis war erschreckend: 79 Prozent glauben, dass sie am Arbeitsplatz zwar anwesend sind aber nicht die volle Leistung erbringen. Die Summe aller körperlichen, psychischen, sozialen, familiären und arbeitsplatzbezogenen Probleme führt in der Selbsteinschätzung der Arbeitnehmer dazu, dass sie insgesamt nur 77 Prozent ihrer möglichen Leistung bringen. Nach Berechnungen des HWWI ergibt sich für 2010 eine nicht realisierte Produktion von rund 364 Milliarden Euro. Dies entspricht rund 16 Prozent des realen Bruttoinlandsprodukts.

Der Großteil der Arbeitnehmer ist doch aber weder von Mobbing, noch von unerträglichen schlechten Arbeitsbedingungen betroffen. Sind wir alle so überarbeitet oder warum ist die Stimmung so negativ?

Da stellt sich zunächst die Frage: Was sind ‚unerträglich schlechte Arbeitsbedingungen?’ Letztendlich ist das – zumindest im Großteil der Unternehmen hierzulande – eine höchst subjektive Diskussion. Für den einen sind hoher Termindruck und die immer engere Vernetzung von Arbeits- und Privatleben eine unerträgliche Belastung – der andere sucht geradezu nach Herausforderungen und genießt den für ihn damit verbundenen ‚Eustress’.

Für viele ist vor allem Druck gleichzusetzen mit schlechten Arbeitsbedingungen. Tempo, Termindruck, Belastung sind für viele Arbeitnehmer ein tägliches Wettrennen mit der Zeit. Sie stehen unter Stress – geplagt von ständiger Zeitnot! Jeder Einzelne giert nach Optionen des Zeitsparens, der Beschleunigung von Tätigkeiten – damit ‚mehr Zeit’ übrig bleibt – doch am Ende des Tages stellt sich kein Zeitreichtum sondern noch mehr Zeitknappheit ein. Das hohe Tempo macht einsam, denn je gestresster wir sind, desto weniger empathisch reagieren wir auf unsere Mitmenschen – verlieren leichter den Kontakt zu unserem Gegenüber, weil wir manchmal einfach keine Nerven mehr haben, rücksichtvoll zu agieren.  Stattdessen ertappen wir uns bei Flüchen oder beschämenden Gedanken.

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Dorette Segschneider: „Die Welt braucht nicht noch mehr Glückstipps in Zeitungen oder Blogs.“

Dabei sind es genau die sozialen Beziehungen, die für Menschen – privat wie am Arbeitsplatz – Glücksfaktor Nr. 1 sind. Doch der Aufbau solcher Beziehungen ist zeitintensiv. Und hier schließt sich der Teufelskreis – Zeit haben wir ja keine. So wundert es nicht, dass eine große US-Studie jetzt zeigt: Die Grundbereitschaft, sich auf andere Menschen einzulassen, Mitgefühl zu zeigen, hat zwischen 1979 und 2009 um fast 40 Prozent nachgelassen. Mit drastischen Folgen: ‚Time to move’ so hieß es einst bei France Telecom – Sie erinnern sich? Nach spätestens 36 Monaten mussten die Führungskräfte ihre Stelle wechseln, der Aufbau von persönlichen Beziehungen am Arbeitsplatz war unerwünscht – er mindere die Effizienz. Die Folgen sind hinreichend bekannt: 40 Suizide innerhalb von zwei Jahren und eine extrem hohe Burnoutrate. Der Mangel an Empathie und Wertschätzung geht Hand in Hand mit dem Anstieg von Depression und Burnout-Raten. Daher kommt die negative Stimmung und das Gefühl der Betroffenen, ständig überarbeitet zu sein.

Nun zeigen solche Ergebnisse auch, dass Arbeitnehmer, die an ihrem Arbeitsplatz unglücklich sind, sich häufig trotzdem keinen neuen suchen, sondern bleiben und leiden. Wäre wechseln da nicht der logischere Schritt?

Handeln ist der logische Schritt. Im optimalen Fall ist das zweifelsohne ein Arbeitsplatzwechsel zu einem ‚besseren’ Arbeitgeber. Doch viele Menschen trauen sich nicht, scheuen das Risiko und warten und hoffen, dass ‚sich etwas ändert’ und geben damit die Macht aus der Hand. Dabei hat man seine Zufriedenheit selbst in der Hand. Es gibt unzählige Möglichkeiten, kleine Glücksmomente zu schaffen – sei es nur für ein paar Sekunden – daraus werden Minuten und daraus Stunden. Starten Sie in 2015 z.B. mit einem Achtsamkeitsritual. Schalten Sie während der Arbeitszeit einmal pro Stunde für 30 Sekunden Ihr Gehirn auf Achtsamkeit. D.h., genau das wahrnehmen, was im Moment geschieht und die Gedankenund Sorgen ausschalten. Das stärkt das ‚Antistress-Zentrum’ in Ihrem Gehirn und macht somit automatisch gelassener.

Doch ganz ehrlich: Die Welt braucht nicht noch mehr Glückstipps in Zeitungen oder Blogs. Das Entscheidende ist nicht die Qualität der vielen ‚Ratschläge’ – das Entscheidende ist allein, ob Sie den Tipp auch umsetzen. Eine Untersuchung über das Leseverhalten von ‚Ratgeber-Lesern’ hat beispielsweise  gezeigt, dass 80% lediglich das erste Kapitel lesen. Dabei liegt die Betonung auf Lesen! Nach dem Lesen verschwindet das Buch im Bücherregal und die Glücksidee aus dem Fokus – von Umsetzen keine Spur. Nur die ganz Eifrigen schaffen es, das ein oder andere Vorhaben kurzfristig in die Tat umzusetzen…um es dann nach einer Woche, einem Monat oder vielleicht auch erst nach einem Jahr wieder aufzugeben.

Fakt ist: Kaum jemand integriert die vielen sinnvollen Glücksideen nachhaltig in seinen Alltag. Die Menschen hungern nach Unterstützung – raus aus der Burnout-Falle – weniger Stress im Alltag – endlich durchschlafen – wie finde ich zu mir selbst? – wie geht ‚Selbstliebe’ – wie werde ich meine negativen Glaubenssätze los? – wie komme ich endlich zur Ruhe – raus aus dem Hamsterrad usw.. Die Schlagzeilen sind endlos – wir saugen sie auf, weil wir uns nach Entspannung und Achtsamkeit sehnen – das Innehalten aber nicht oder selten auf die Reihe bekommen, weil sich schon wieder das Hamsterrad dreht…allen Ideen zum Trotz.

Dabei ist die Lösung leicht: Erfolg hat drei Buchstaben TUN! Wer die Glückstipps nachhaltig lebt, sie so selbstverständlich wie das tägliche Zahnputz-Ritual umsetzt, für denjenigen ist der Erfolg garantiert. Unser Gehirn lernt – bildet neue Synapsen – und ist in der Lage, den Emotionsmanager (= Präfrontalen Cortex) neu aufzuladen und sogar seine Kapazität zu vergrößern. Vorausgesetzt – wir TUN! Genau hier setzen auch meine Coachinggespräche an: Wer Selbstverantwortung übernimmt, ist am Ende immer der Gewinner.

Nun ist ein Arbeitsvertrag ja auch kein Glücksversprechen. Es geht um eine schlichte Vereinbarung, die lautet: Leistung gegen Geld. Von einer Garantie auf Spaß, Freude und Glück steht da nichts. Warum wird das aber offensichtlich dennoch erwartet?

„Arbeit määt Spaß, ever mi künne keine Spaß verdrare“ – sagt der Rheinländer, der sich gerne selbst auf die Schippe nimmt. Übersetzt heißt das: Arbeit macht Spaß, aber Spaß können wir nicht vertragen. Stimmt – der Spaßeffekt hatte bislang bei der Arbeit nichts zu suchen – im Gegenteil: Früher galt, wer ausreichend Butter auf dem Brot haben will, musste vor hundert Jahren hart dafür arbeiten. Körperlich hart und viele Stunden. Arbeit hieß dabei häufig Ackern in der Landwirtschaft, in der Fabrik oder im Handwerk, also körperlich belastende Tätigkeiten. Maßstab für den Erfolg waren dabei meist quantitative Parameter, also die Kilos der geernteten Kartoffeln oder die Menge der zusammengeschraubten Fernsehgeräte. Auf jeden Fall war voller Körpereinsatz gefragt.

So hat sich über Generationen der Glaubenssatz „Arbeit ist hart“ festgesetzt und überlagert eine Arbeitswelt, die sich mittlerweile fundamental geändert hat. Arbeit ist längst nur noch in Teilbereichen (körperlich) hart. Der Erfolgsfaktor der meisten Tätigkeiten ist heute weniger an Bandlaufzeiten, Stückzahlen oder Arbeitsstunden gebunden, vielmehr geht es um weiche Faktoren wie Kreativität und Loyalität, die einen Mitarbeiter erfolgreich machen. Was früher der Chefetage vorbehalten war, ist heute Ansporn und Motivation für die Mitarbeiter: Kreativ arbeiten. Mitdenken. Weiterentwickeln. Innovativ sein. Mitreden und mitverantworten.

Wer hier optimale Ergebnisse erwartet, darf die Glücksorientierung in sein unternehmerisches Denken einbeziehen. Prof. Ruckriegel – führender deutscher Glücksökonom – sagt: ‚Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen.’ Das Ziel der Glücksökonomie ist es, den bisherigen wirtschaftlichen Parametern die Variable der Lebenszufriedenheit als Wachstumskomponente hinzuzufügen. Das heißt, das größte Gut für eine Gesellschaft ist nicht mehr Wirtschaftswachstum allein, sondern das sogenannte „well-being“, also die Lebenszufriedenheit aller Bürger.

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Dorette Segschneider: „Wer Selbstverantwortung übernimmt, ist am Ende immer der Gewinner.“

„Well-being“ ist gleichzeitig der Schlüssel zu nachhaltigem Unternehmenserfolg. Die Zufriedenheit spiegelt sich dabei in der Kultur eines Unternehmens, die wiederum vom Top-Management geprägt wird. Die Kultur macht eine Firma langfristig erfolgreich, nicht eine Technologie oder ein Produkt. Produkte oder Dienstleistungen kommen und gehen – eine wertschätzende Unternehmenskultur ist nachhaltig und gleichzeitig eine stärkende Konstante, die Firmen auch Krisenzeiten leichter überstehen lässt. Entscheidend dabei ist der Nachhaltigkeitsaspekt. Die Historie zeigt, dass Unternehmen mit der besten Performance jeweils auch diejenigen sind, die ihr Geschäftsmodell in Richtung Nachhaltigkeit ändern. Hier sollte spätestens jeder erfolgsorientierte Unternehmer aufhorchen: Glück und Ökonomie sind auch an dieser Stelle sehr eng miteinander verknüpft.

Ist das Thema Glück und vor allem dessen Definition nicht eine sehr persönliche Sache? Eine Führungskraft, die versucht, jeden Mitarbeiter „glücklich“ zu machen, muss da doch zwangsläufig scheitern? Und wird sich vermutlich selbst anschließend auch ziemlich schlecht fühlen?

Na klar, jeder ist seines Glückes Schmied. Doch es geht hier nicht darum, jeden Mitarbeiter ‚glücklich’ zu machen – also nicht um die ‚rosarote’ Brille. Das ist nicht die Idee vom Wirtschaftsfaktor Glück. Es geht um empathische, wertschätzende Führung. Die Realität sieht anders aus. Eine Studie der Hochschule Osnabrück zum Stellenwert der Personalführung in deutschen Unternehmen stellt sogar fest, das schlechtes Führungsverhalten der oberen Führungsriege häufig von der Geschäftsleitung geduldet wird, solange die Zahlen stimmen.

Auf die Frage nach den Hauptgründen für Trennungen von Führungskräften war für 82 Prozent der befragten Unternehmen schlechtes Führungsverhalten kein Anlass zur Kündigung – schlechte Ergebnisse aber sehr wohl. Die Studie hat zudem ergeben, dass gutes Führungsverhalten nicht belohnt wird. Das zeigt sich vor allem daran, dass das Thema „gute Führung“ in vielen Unternehmen immer noch eine eher untergeordnete Rolle spielt. Erschreckende Zahlen und Fakten, die in der Diskussion in den meisten deutschen Unternehmen noch gar nicht angekommen sind.

Noch schlimmer: Führungsfragen werden in erster Linie von den Nicht-Betroffenen diskutiert, also Personalmanagern, Coaches, Wissenschaftlern oder Arbeitnehmern. Die betroffenen Führungskräfte selbst führen diese Diskussion selten. Sie blicken bei Personalthemen eher auf Aspekte wie Lohn- und Gehaltsentwicklung, flexiblere Arbeitszeiten oder Arbeitsplatzgestaltung. Also Themen, die sie outsourcen können und die nicht direkt ihre persönliche Profession betreffen. Dabei übersteigen die Kosten mangelhafter Führung die Folgekosten zum Beispiel einer Anhebung der Lohnnebenkosten bei Weitem. Moderne Führungstechniken sehen den Menschen, den Mitarbeiter im Mittelpunkt, sind aber in der praktischen Umsetzung in Unternehmen noch eher Mangelware. „Future Leadership“ ist in vielen Unternehmen gar noch ein Fremdwort. Gute Führung braucht Persönlichkeiten mit einem philanthropischen Gedankengut, das Vertrauen schafft. Ein Vertrauensfundament ist dann auch gleichzeitig Basis für die Lösung von Konflikten oder Streitigkeiten – kurzum: das Fundament guter Führung.

Die amerikanische Sozialpsychologin Sonja Lyubomirsky schreibt in ihrem „World Book of Happiness“, dass das persönliche Glück zu 50 Prozent von den Genen abhängt und nur zu zehn Prozent von den Lebensumständen. Ist der Arbeitsplatz da nicht ohnehin nur ein Ventil für den eigenen Frust?

Die Entscheidung liegt letztendlich bei jedem Einzelnen. Sie können destruktiv handeln und den Frust am Arbeitsplatz ablassen – müssen dann aber auch mit dem leben, was zurückkommt, von den Kollegen. Oder Sie betrachten es positiv: Es bleiben 40 Prozent übrig, die ich selbst in der Hand habe, mein Glück zu gestalten. Wer die voll ausnutzt, ist definitiv auf der Gewinnerseite.

Die Frage nach dem Frust erinnert mich an den ‚Depri-Bär’, also den Part in uns, der seinen Frust im Job ablädt, weil in seiner Welt alles schief läuft – er hasst sein Leben… Viele Menschen haben schon Bekanntschaft mit dem Depri-Bär gemacht und möchten ihn lieber heute als morgen wieder loswerden. Er begegnet uns fast täglich – mal in uns selbst und mal in Gestalt unseres Gegenübers. Die Sache hat nur einen Haken: Wir befinden uns in bester Gesellschaft, wenn wir klagen. Ob über zu wenig Freizeit, zu viel Stress, zu wenig Geld oder zu viel Ärger – Jammerlappen sind allgegenwärtig. Unglücklichsein kommt an – schafft Freunde und schmiedet Freundschaften. Wenn man sich mit jemandem eng verbinden möchte, erzählt man ihm am besten von seinen Problemen – dann ist die Chance, Sympathien und Mitleid zu bekommen am größten.

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Das Buch zum Thema.

Wenn man dagegen von seinen Erfolgen berichtet und seinem Glück, gilt man schnell als überheblich. Neid kommt auf – die Mitmenschen haben weniger Interesse, sich mit einem zu verknüpfen. Aus diesem Grund erfährt der Depri-Bär in uns viele ‘side benefits’ – Sekundärgewinne, wie die Psychologen sagen. Und diese ‘side benefits’ verschaffen uns auf den ersten Blick Erleichterung…doch auf lange Sicht ist der Depri-Bär ganz schön nervig und macht krank – das beweist die Wissenschaft. Optimisten leben länger und gesünder wie eine  US-Studie zeigt.

Um die Stärke zu finden, den Depri-Bär in die Wüste (oder zum Polarkreis) zu schicken, wo er hingehört, ist es gut zu wissen, wo er herkommt. Sein Ursprung liegt in der Entwicklung der Menschen: Unsere Vorfahren haben vor allem dann überlebt, wenn sie die den Fokus auf die Gefahr – also auf das Negative hatten. Heute brauchen wir den Depri-Bär nicht mehr als Überlebensgarant. Im Gegenteil! Wie Sie ihn loswerden? Ganz einfach: Sie entscheiden, welches Futter = Gedanken er bekommt und damit, wann Sie ihn endlich in die Freiheit entlassen. Verändern Sie Ihren Fokus – weg von Panik, Verzweiflungsgedanken hin zu Werten und Zielen, die Freude und Leichtigkeit in Ihr Leben bringen und schon ergreift der traurige Geselle die Flucht.

Was kann der Einzelne Arbeitnehmer tun, um zufriedener zu sein?

Viel! Vor allem TUN! Hier sind meine 10 Erfolgsregeln – mein absoluter Favorit: Die 95-Prozent-Regel!

  1. Trainieren Sie Ihr Glücksareal – Glück macht Erfolg. Glückliche Menschen sind erfolgreich und nicht umgekehrt. Dabei haben Sie Einfluss auf Ihr Glücksareal im Gehirn – das belegt die Hirnforschung. Wer sein Glückszentrum regelmäßig trainiert, hinterlässt Spuren im Zentrum für positive Gedanken und Gefühle. Hirnforscher nennen unsere Fähigkeit, unseren Geist immer wieder neu zu gestalten, Neuroplastizität. Tägliches Training lässt das Glücksareal schon nach kurzer Zeit wachsen – die Glücksmomente werden häufiger und stärker. Entscheidend ist Ihre Entschlossenheit, glücklicher zu werden und den Jammerlappen im Gehirn auszuschalten. Mein Tipp: „Nehmen Sie sich täglich direkt nach dem Aufwachen drei Minuten Zeit und denken nur an Ereignisse, auf die Sie sich freuen.“
  2. Verteilen Sie Lob – 
Glücksfaktor Nr. 1 sind gute soziale Beziehungen. Ein gutes Verhältnis zu Ihren Kollegen und Chefs erreichen Sie am besten durch Lob und Anerkennung. Dabei gilt mein Lieblingsmotto: You go first. Gehen Sie mit positivem Beispiel voran und verteilen Sie Wertschätzung, wo immer möglich: an den Kollegen, der Sie unterstützt hat, an den Azubi, der mit seiner Arbeit eher fertig war, oder an die Kollegin für ihr tolles Kleid. Anerkennung steigert unseren Leistungswillen nachhaltig. Dafür sorgt die Drogenapotheke im Kopf: Als Belohnung für das Lob schüttet das Gehirn vermehrt Dopamin aus, das dafür sorgt, dass das positive Erlebnis im Langzeitgedächtnis abgespeichert wird. Ein Gehaltsplus motiviert maximal einen Monat. Ein Chef, der seine Mitarbeiter regelmäßig lobt, steigert dagegen die Motivation langfristig. Mein Drei-Punkte-Plan für Lob: „Fangen Sie bei sich selbst an und schreiben Sie jeden Abend auf, was Ihnen gelungen ist. Zweitens: Loben Sie Kollegen. Drittens: Fordern Sie selbst eine Rückmeldung ein: Bitten Sie Menschen aus Ihrem direkten Umfeld um Feedback.“
  3. Schalten Sie ab – Stress ist häufig hausgemacht. Die meisten Menschen können nicht loslassen und sind im Hamsterrad ihrer Gedanken gefangen. Fakt ist: Jeder findet täglich ein paar Minuten zum Abschalten. Lästige Gedanken lassen sich am besten mit Meditation abstellen. Mein Tipp: Hören Sie täglich mindestens ein Mindsettraining, das es bereits für eine Auszeit ab 3 Minuten gibt. dorettesegschneider.de/site/shop/shop.- jetzt nur noch Kopfhörer auf und entspannen.
  4. Die 95-Prozent-Regel – Meine Lieblingsregel! Die Hirnforschung weiß: Das Gehirn ist jederzeit in der Lage, neue Synapsen zu bilden – der Erfolg liegt in der Wiederholung. Ändern Sie einfach mal Ihre Problemlösungsstrategie: Weg vom Problem – hin zur Lösung. Wenden Sie die 95-Prpzent-Regel an und widmen sich ab sofort 95 Prozent Ihrer Zeit der Lösung und nur 5 Prozent dem Problem.
  5. Nutzen Sie die Stop-Technik – Ob im Meeting, in einer kniffligen Diskussion, zuhause, mit den Kids oder bei nervenden Autofahrten – nutzen Sie die Stop-Technik: Stop-take a breath –observe – proceed: Halten Sie kurz inne (stop) – einmal tief durchatmen (take a breath) – kurz beobachten (observe) und fortfahren (proceed). Wenn Sie diesen Vorgang jedes Mal, wenn Stress aufkommt wiederholen, werden Sie verwundert sein, wie entspannt Sie plötzlich reagieren – denn Ihr Gehirn ist lernfähig.
  6. Schaffen Sie sich Freiräume – Firmen, die Selbstbestimmung der Mitarbeiter zulassen, haben eine vier Mal höhere Wachstumsrate. Glücksökonom Prof. Bruno Frey fand außerdem heraus, dass Selbstständige zufriedener sind als Angestellte: Sie ziehen ihr Glück nicht aus dem Einkommen, sondern aus Selbstbestimmtheit und Unabhängigkeit. Mein Tipp: Schlagen Sie Ihrem Vorgesetzten vor, in welchen Bereichen Sie mehr Verantwortung übernehmen wollen. Die meisten Chefs nehmen Verbesserungen, die ihnen Arbeit erleichtern, gern an.
  7. Lächeln Sie! – Der scheinbar banale Tipp wird von vielen Studien bestätigt: Ein Lächeln bewegt 60 Muskeln im Gesicht, die dem Hirn signalisieren „Es geht mir gut“. Das bedeutet: Es wirkt auch, wenn wir uns gar nicht so fühlen. ‚Fake it until you make it’. Ausprobieren, heißt meine Devise. Lächeln Sie z.B. täglich 5 x 30 sec. – im Auto, beim Fahrradfahren oder Spazierengehen einfach so, ohne Grund. Anfangs fühlt es sich merkwürdig an, mit der Zeit wird es besser – und Sie gewinnen an positiver Ausstrahlung.
  8. Der Flexiblere führt – Experten sagen, dass „job crafting“, also die aktive Gestaltung Ihres Arbeitsplatzes, zusätzliche Motivation bringt. Das gelingt, indem Sie Anzahl, Umfang oder Art der Aufgaben oder mentale Bezüge ändern. So finden Sie immer wieder neuen Sinn für das, was Sie tun und werten Ihre Arbeit neu auf. Ihr Gehirn kann jederzeit ein Update vornehmen – und das lässt sich trainieren. Erfolg hat drei Buchstaben: TUN.
  9. Geben Sie Ihrem Job einen neuen Sinn – Definieren Sie Ihren Job selbst (neu) und geben Ihrer Arbeit einen Sinn. Wenn Sie z. B. in einer Versicherung arbeiten, können Sie entweder stupide den Versicherungsfall X abwickeln oder den Fall und seine Geschichte betrachten, und z.B. den Menschen helfen. Oder als Sekretärin für einen ‘schwierigen’ Chef – machen Sie es sich zur Aufgabe, gute Stimmung vorzuleben – frei nach dem Motto: You go first. Wenn Sie erst ihren Chef anstecken, steckt der die ganze Firma an.
  10. Verbessern Sie die Kommunikation – Optimieren Sie die sozialen Beziehungen zu Ihren Kollegen oder Kunden. Wenn Sie z.B. als Arzthelferin arbeiten, führen Sie ein neues Vokabular in Ihrer Praxis ein. Statt ‘Krankenstand’ – Gesundheitsrate oder statt der Begrüßung: „Wie stark schmerzt das Knie?“ Lieber: „Wie viel besser ist es schon geworden?“ – Verändern Sie einfach den Fokus vom negativen auf das positive Wording und schon sind Sie nicht mehr ‘nur’ Arzthelferin, sondern auch Coach für die Patienten.  Das funktioniert auch für jeden Bürobetrieb – ändern Sie die Kommunikation mit dem Fokus auf die Lösung anstatt auf’s Problem.

Und was können Führungskräfte tun, um den „Wirtschaftsfaktor Glück“ für ihr Unternehmen zu nutzen?

Indem sie ihre Mitarbeiter ‚glücklich machen’. Zum Beispiel über wertschätzende Maßnahmen, die Mitarbeiter intrinsisch motivieren. Eine US-Studie zum Verhalten von 200.000 Mitarbeitern kommt zu dem Ergebnis, dass intrinsische Motivation gegenüber extrinsischer (Geld- und Sachwerte) drei Malx besser wirkt.

Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter regelmäßig loben, sind damit schon auf der Spur zum Wirtschaftsfaktor Glück. Lob ist effektiv und nachhaltig. Es schafft eine Verbindung. Durch das Feedback erfährt der Mitarbeiter Anerkennung und Resonanz. Mitarbeiter, die gelobt werden, stecken sich höhere Ziele, um dem Lob auch gerecht zu werden. Biochemisch ist interessant, was im Hirn passiert: Beim Lob wird Dopamin ausgeschüttet, was vom Gehirn als positives Erlebnis im Langzeitgedächtnis abgespeichert wird.

Allerdings funktioniert das nur bei einem ernst gemeinten Lob. Rein strategisches Lob kann sogar negative Folgen haben. Wir können sehr gut erkennen, ob wir angelogen werden oder ob jemand etwas ernst meint. Deshalb sind echte Beziehungen wichtig. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Führungskraft sich als ganze Person mit Empathie einbringt. Wertschätzende Führung führt dann automatisch zu Wertschöpfung und ist damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Fakt ist: Menschen, die motiviert und begeistert sind, arbeiten produktiver, entwickeln bessere Lösungen, haben eine positive Ausstrahlung und ziehen damit attraktive Kunden an. Darüber hinaus zieht eine wertschätzende Unternehmenskultur (potentielle) Mitarbeiter an. Auch das ist ein Wettbewerbsvorteil. Dafür sollten Unternehmen ihren Mitarbeitern z.B. ermöglichen, soziale Beziehungen auch während der Arbeitszeit zu pflegen (etwa der Schnack mit Kollegen in einem einladenden Pausenraum, der Plausch mit dem Chef in der Kaffeeküche, der gemeinsame Stammtisch einmal im Monat). Das verbessert das Betriebsklima, schafft eine gemeinsame Kultur und damit auch Bindung. Schließlich sind soziale Beziehungen Glücksfaktor Nr. 1.

Und außerdem sollten die Chefs begeistern können. Erst ein Chef, der selbst mit Begeisterung seinem Business nachgeht, entfacht auch Begeisterung bei seinen Mitarbeitern. Vorbild sein heißt die Lösung. Dabei lässt sich die Fähigkeit zur Begeisterung trainieren. Mein Credo heißt: „Nur wer von sich selbst begeistert ist, begeistert auch andere!“ Dafür sorgen auch die Spiegelneuronen in unserem Gehirn. Sie sind verantwortlich dafür, dass wir uns durch das bloße passive Beobachten einer Handlung bzw. Emotion eines anderen Menschen zu genau derselben Reaktion angeregt fühlen. Das gilt für Fröhlichkeit und Empathie genauso wie für Begeisterung und Charisma. Um Mitarbeiter und Kollegen zu guten Leistungen anzuspornen, sollte man also vor allem selbst von der Aufgabe oder dem Projekt begeistert sein. Denn der eigene Enthusiasmus hat dieselbe Wirkung auf die Menschen in Ihrem Umfeld wie der Fingertipp auf den ersten Dominostein, der eine Kettenreaktion auslöst.

Vereinfacht könnte man sagen: Die Führungskraft sollte vor allem ein Vorbild für ihre Mitarbeiter sein. Eines, dem man nacheifern und gefallen möchte – nicht aus Ehrfurcht und Angst, sondern aus purer Bewunderung. Eine Führungskraft ist dann ein Vorbild, wenn sie durch ihr Charisma so viel Sogwirkung auslöst, dass sie ihre Mitarbeiter ansteckt und motiviert und auf diese Weise die Leistungsbereitschaft und damit die Produktivität signifikant steigert. Das Vorbild ist einer der zentralen Erfolgsfaktoren für Führung. Wie ein Dominoeffekt erreicht das Verhalten der Führungskraft das gesamte Unter- nehmen. Das Charisma und die Begeisterungsfähigkeit der Führungskräfte haben entscheidende Auswirkungen auf die Leistung der Mitarbeiter. Schon Konfuzius lehrte: „Des Fürsten erste Pflicht ist es, ein Vorbild zu sein für alle Bewohner seines Reiches.“18 Nur wer die Werte, die er in seinem Unternehmen gerne umgesetzt haben möchte, auch vorlebt, überzeugt seine Mitarbeiter, langfristig auch so zu handeln.

Führungskräfte haben selbst meist keine Vorgesetzten, der sich um ihre Work-Life-Balance scheren, dafür aber eine Menge Kritiker, nämlich ihre ganze Belegschaft. So gesehen, hätten doch vor allem Vorgesetzte eine Menge Grund, um unglücklich zu sein?

Glück beginnt immer bei mir selbst. Wie begegne ich den Dingen, wie gelingt mir persönlich ein glückliches Leben? Es ist nicht zielführend, das Unglück im Außen zu suchen, also in der schlecht gelaunten Belegschaft oder in den Kritikern. Glückliche Führungskräfte übernehmen Selbstverantwortung für ihr Verhalten, indem sie für sich sorgen, zum Beispiel mit Achtsamkeitstraining ihren Emotionsmanager regelmäßig aufladen und so ihre Selbstregulation optimieren. Gute Führung beginnt genau hier, mit der Fähigkeit des Einzelnen, Orientierung in sich selbst zu finden.

Haben Sie einen Tipp, was Vorgesetzte, die besonders unter Druck stehen, tun können, um sich in ihrem Job glücklicher zu fühlen?

Dahinter steckt die Frage: Wie schaffen wir es, in Zeiten der ständigen Beschleunigung zu entschleunigen, um wieder in Resonanz mit uns selbst zu kommen – unsere eigenen Emotionen entspannter zu managen und damit glücklicher zu werden ?

Rein physisch gesehen liegt das Zentrum für unser Emotionsmanagement – der Präfrontale Cortex – im Kopf. Tagsüber sorgt er dafür, dass wir agieren und nicht nur reagieren. In kritischen Situation ist er z.B. die innere Stimme, die dafür verantwortlich ist, dass wir uns nicht von impulsiven Reaktionen lenken lassen: ‚Das schaffst Du schon, das ist alles nicht so schlimm, das geht vorüber etc.’ Doch diese Fähigkeit zur Selbstregulation hat nur eine begrenzte Kapazität. Vereinfacht gesagt funktioniert der PFC wie ein Akku. Über Nacht, wenn wir schlafen, lädt er sich auf. Tagsüber, wenn wir seine Kompetenz benötigen, verbraucht er sich. Sobald der Akku leer ist – verlieren wir mehr und mehr die Möglichkeit zu agieren und reagieren häufig nur noch. Das sind dann Situationen, in denen Empathie verloren geht und Aggressionen Einzug halten. Tägliche Achtsamkeitsübungen und/oder Meditation helfen den Speicher des Präfrontalen Cortex nachhaltig zu vergrößern. Rein physisch haben wir somit Einfluss auf unsere Psyche. Wer diese Chance nutzt, entdeckt das Glück von ganz allein.

 

*Dorette Segschneider ist Executive Coach, Lehrbeauftragte für HR & Soziale Interaktion an der Hochschule Mainz sowie Vorstandsmitglied der ICF Deutschland (International Coachfederation). Über 20 Jahre führte sie als TV-Moderatorin durch eine Finanzsendung von ZDF/3sat. Ihre langjährige Ausbildung zum Coach und Trainer in Deutschland und den USA, dazu über zwei Jahrzehnte TV-Livemoderation und ihre fast 20jährige Coachingtätigkeit machen Dorette Segschneider zu einer der gefragtesten Business-Coachs für Entscheider, Unternehmer und Führungskräfte.

Kategorien: Allgemein, News

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