Müde bin ich, geh zur Ruh…

  • Von Redaktion
  • 10. Juni 2020
  • Kommentare deaktiviert für Müde bin ich, geh zur Ruh…

…mache meine Augen zu. Und dann? Und dann würden wir gerne einschlafen. Aber nur allzu oft gelingt uns das nicht. Immer mehr Menschen schlafen schlecht und viel zu wenig. Mit äußert negativen Folgen für Laune, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität. Wir zeigen Ihnen, was Sie für einen besseren Schlaf tun können.  

Das Glück, schreibt der deutsche Schriftsteller Theodor Fontane, liegt „darin, dass man ausgeschlafen hat und dass einen die neuen Stiefel nicht drücken“. Die Sache mit den Stiefeln haben wir ja mittlerweile ganz gut im Griff. Aber das mit dem Schlafen, das klappt bei vielen von uns überhaupt nicht. Viele sind morgens alles andere als ausgeschlafen, und anstatt frisch und munter und gut gelaunt ans Werk zu gehen, schleppen wir uns müde und kraftlos durch den Tag. Eine Studie hat ergeben, dass in Deutschland nicht einmal jeder Zweite gut bis sehr gut schläft und sich nur 41 Prozent morgens fit fühlen. So gesehen, ist es also ganz schön schlecht um unser Glück bestellt.

Die Nicht- und Schlechtschläfer lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: Da gibt es zum einen diejenigen, die schlafen könnten, aber nicht wollen. Und es gibt die anderen, die schlafen wollen, aber nicht können. Paradebeispiel für die erste Gruppe sind die Top-Manager in der Wirtschaft. Viele von ihnen brüsten sich damit, dass sie mit nur vier oder fünf Stunden Schlaf pro Nacht auskommen. Schlaflosigkeit im Management wird heute in einer Art glorifiziert, wie wir einst Personen verherrlichten, die übermäßig viel Alkohol vertragen konnten, sagt der Harvard-Professor Charles Czeisler, der sich eingehend mit diesem Phänomen befasst hat. „Müde Manager handeln wie Betrunkene“, sagt er und fährt fort: „Ansonsten intelligente und wohlerzogene Manager benehmen sich anders, wenn sie übermüdet sind: Sie beschimpfen ihre Mitarbeiter, treffen unkluge Entscheidungen, welche die Zukunft ihres Unternehmens beeinflussen, und halten wirre Vorträge vor ihren Kollegen, den Kunden, der Presse oder den Shareholdern.“

Viele Manager leiden unter Tagesmüdigkeit – das liegt oft daran, dass sie nachts zu wenig oder zu schlecht schlafen.

 

Klingt also nicht gerade nach einer guten Idee, ohne Not aufs Schlafen zu verzichten, nur weil man glaubt, Wichtigeres zu tun zu haben. Schlaf ist zwar nicht alles, aber ohne guten und ausreichenden Schlaf ist alles nichts. Das gilt natürlich nicht nur für Manager, sondern auch für ganz normale Angestellte. Die amerikanischen Wissenschaftler Michael S. Christian und Alexander Ellis haben herausgefunden, dass Angestellte, die weniger als sechs Stunden Schlaf pro Nacht schlafen, am nächsten Tag schlechtere Leistungen ablieferten und sich zudem häufiger unethisch verhielten. Der Grund: Schlafentzug kann die Funktion des präfrontalen Kortexes im Gehirn beeinträchtigen. Damit wird die Fähigkeit reduziert, schlechte Stimmung und Aggressionen zu regulieren. Auch andere Forschungsarbeiten belegen, dass man die Bedeutung des  Schlafs im Berufsleben gar nicht hoch genug ansiedeln kann. So ist es erwiesen, dass Schlafen nicht nur schöner, sondern auch kreativer macht und gute Schläfer leichter und öfter auf der Karriereleiter nach oben klettern. „Am Ende gewinnt der, der besser schläft“, bringt es die Schauspielerin Jodie Foster auf den Punkt.

Während die einen also meinen, sich eine gute Portion Schlaf nicht leisten zu können, weil sie – angeblich – zu wichtig sind, verzichten andere darauf, weil sie befürchten, etwas zu verpassen. Viele Jugendliche und Heranwachsende zählen zu dieser Gattung. „Schlafen kann ich, wenn ich tot bin“, lautet hier das Motto. Diese geringe Wertschätzung des Schlafs rächt sich eines Tages. „Es ist ein Mythos zu denken, dass man am Schlaf sparen kann. Schlaf ist keine Zeitverschwendung. Der Körper braucht Zeit, um nach einem anstrengenden Tag und viel Stress abzuschalten und sich auf den Schlaf einzustellen“, warnt Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Für diese selbstverschuldete Unausgeschlafenheit dürften die Mitglieder der zweiten Gruppe kaum Verständnis haben. Diese Menschen würden gerne schlafen, können es aber nicht. Weil sie von Sorgen geplagt werden, unter Dauerstress leiden und nicht abschalten können oder weil äußere Umstände sie am Schlafen hindern (Lärm, der frisch geborene Nachwuchs etc.). Was Schlafverhinderer oder –störer wie Autolärm oder andere Umweltgeräusche betrifft, so kann man mit Ohrenstöpsel das Schlimmste verhindern. Dauermüdigkeit aufgrund des eigenen Nachwuchses gehört in den ersten Jahren nach der Geburt leider oft zur Elternschaft dazu. Da heißt es dann Augen zu und durch.

Was also tun bei Problemen mit dem Ein- und Durchschlafen? Zunächst einmal sollten Sie sich nicht verrückt machen, wenn Sie mal ein paar Tage schlecht schlafen. Erst wenn sich die die Schlafprobleme über mehr als vier Wochen hinziehen und dafür keine persönliche Krise wie zum Beispiel der Verlust des Arbeitsplatzes oder ein Todesfall in der Familie verantwortlich ist, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Was also kann man tun, um gut zu schlafen? Hier ein paar Tipps:

  • Matratze: Dass sich, wie die bereits zitierte Studie ergab, rund 41 Prozent der Deutschen morgens nicht fit und ausgeruht fühlen, kann auch an einer falschen oder schlechten Matratze liegen. „Ich bin sicher davon überzeugt, dass eine qualitativ hochwertige Matratze wesentlich zu einem gesunden und erholsamen Nachtschlaf beiträgt“, sagte der Neurochirurg Dr. Ralph Medele aus München in einer Sendung des Bayerischen Rundfunks. Allerdings ist die richtige Matratze sehr individuell und das Finden der optimalen Matratze fast eine Wissenschaft für sich.
  • Aufregung: Eine der sichersten Maßnahmen, nicht einschlafen zu können, ist Aufregung, Ärger oder Streit kurz vorm Zubettgehen. Auch spannende Thriller im Fernsehen sollte man vermeiden, wenn man gut ein- und durchschlafen will.
  • Essen und Trinken: Ein voller Bauch studiert nur nicht gern, er schläft auch nicht gern. Deshalb: Stopfen Sie sich vor dem Zubettgehen nicht voll. Übrigens: Auch Chips und Nüsse können schwer im Magen liegen. Dass Sie ab dem Nachmittag von koffeinhaltigen Getränken und Energy-Drinks die Finger lassen sollten, versteht sich wohl von selbst.
  • Sport: Körperliche Anstrengung ist zwar gut und macht müde, intensive Trainingseinheiten aber sollten Sie eher nicht in die Abendstunden legen. Ihr aufgedrehter Kreislauf braucht nämlich eine ganze Zeit, um wieder zur Ruhe zu kommen. Ein moderates Dauerläufchen im niedrigen Pulsbereich und an der frischen Luft trägt hingegen dazu bei, die Anspannung des Tages abzuschütteln. Außerdem hilft Sport nachweislich gegen schlechte Laune und depressive Verstimmungen.
  • Abschalten: Wer kennt das nicht: Man liegt im Bett, ist todmüde und kann trotzdem nicht einschlafen. Es geht einem einfach noch zu viel im Kopf umher und die Gedanken kreisen. Oft passiert dies auch mitten in der Nacht, wenn man wach wird und nicht wieder einschlafen kann. Hier hilft es, sich ganz bewusst auf etwas anderes zu konzentrieren. Das können schöne Erinnerungen oder eine Phantasiereise sein, das kann aber auch die Konzentration auf die eigene Atmung sein. Das klappt in der Regel nicht sofort und braucht oft auch ein wenig Übung. Und keine Sorge, wenn Ihre Gedanken zunächst wieder abschweifen; kehren Sie in diesem Fall ganz entspannt und ohne Druck zu ihren schönen Gedanken und Übungen zurück. Auch speziell der Entspannung dienende Musik inklusive Meeresrauschen oder Waldgeräuschen kann beim Einschlafen helfen. Einfach mal ausprobieren.
  • Zeit: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und unser Körper liebt es, immer zur selben Zeit ins Bett zu gehen. Wann das genau ist, ist individuell allerdings sehr verschieden. Wichtig: Gehen Sie erst dann ins Bett, wenn Sie wirklich müde und schlafbereit sind.
  • Im Bett: „Ein Bett ist nur zum Schlafen und für Sex da“, sagt der Schlafmediziner Claus Steppert. Gegen ein paar Seiten Lesen in einem langweiligen Buch hat der Chefarzt im Klinikum Bayreuth vielleicht auch nichts einzuwenden. Was aber gar nicht geht, sind Handy, Tablet-PC oder Fernsehgerät. Für diese technischen Geräte heißt es: Wir müssen leider draußen bleiben.
  • Paare: Schlafforscher haben herausgefunden, dass 61 Prozent der Männer und sogar 74 Prozent der Frauen dann am besten schlafen, wenn sie allein im Bett liegen. Wer sich partout nicht von seinem Partner trennen mag oder aufgrund der räumlichen Verhältnisse nicht trennen kann, der sollte zumindest darauf achten, dass jeder seine eigene Matratze und Bettdecke hat. Und das Bett sollte natürlich auch die entsprechende Breite aufweisen – 1,40-Meter ist definitiv zu schmal für zwei Personen.
  • Schlummertrunk: Omas Hausmittel hat noch immer Fans: Warme Milch, oft mit Honig, ist für viele nach wie vor der Schlummertrunk Nummer 1. Hier gilt: Probieren geht über Studieren – wenn es hilft, spricht nichts dagegen. Alkohol ist dagegen als Schlummertrunk nicht geeignet. Man schläft zwar vielleicht sogar besser ein, der Alkohol mindert aber die Schlafqualität, vor allem wenn er in größeren Mengen zu sich genommen wird. Nun muss man deshalb nicht gleich zum Abstinenzler werden. Aber trinken Sie das Glas Bier oder Wein, weil es Ihnen schmeckt, und nicht als vermeintliche Einschlafhilfe.
  • Pillen, Tropfen, Medikamente: Baldrian hilft nachweislich beim Einschlafen. Hoch dosiert, das heißt mit mindestens 500 Milligramm, beruhigen Präparate (Drages oder Tropfen) aus dieser Pflanze die Nerven. Baldrian ist freiverkäuflich in Ihrer Guten-Tag-Apotheke erhältlich und darf ohne Nebenwirkungen über längere Zeit zum abendlichen Entspannen eingenommen werden. Vorsicht hingegen bei rezeptpflichtigen Schlaftabletten. Diese sollten nur im Notfall und ausschließlich auf ärztlichen Rat eingenommen werden. Also nicht einfach in der Hausapotheke die Altbestände hervorkramen und sich mal selbst schnell eine Schlaftablette verordnen!
  • Wenn alles nicht mehr hilft: Bei anhaltenden Schlafstörungen sollten Sie einen Termin mit Ihrem Arzt vereinbaren und mit ihm gemeinsam eine Lösung Ihrer Schlafprobleme suchen.

Fazit: „Jeden wichtigen Fehler, den ich in meinem Leben gemacht habe, habe ich gemacht, weil ich müde war“, sagte der ehemalige amerikanische Präsident Bill Clinton einmal. Ein guter Schlaf ist gar nicht hoch genug einzuschätzen, und wir sollten unser Möglichstes für eine ausreichende und regenerative Nachtruhe  tun. Damit wir morgens voller Lebensfreude und Energie aufwachen und den Tag beginnen.

Einen inhaltlich und optisch sehr gelungenen und daher absolut lesenswerten Beitrag zum Thema Schlafen hat auch der Münsteraner Immobilienmakler Max Karänke auf der Homepage seines Unternehmens veröffentlicht. Hier der Link zu seinem Artikel: www.karaenke.com/besser-schlafen/

(Damian Sicking)

 

Tags:

Kommentare sind deaktiviert.