Karriere, Geld und Familie: Man kann nicht alles haben

Die Kolumne von Damian Sicking

Vor ein paar Tagen erreichte mich eine Pressemitteilung der Unternehmensberatung A.T. Kearney mit der Überschrift „`Nur Mut!´: Männer wünschen sich familienfreundlichere Unternehmen“. Im Wesentlichen geht es in der Mitteilung darum, dass sich viele berufstätige Männer mehr Familienzeit wünschen, gleichzeitig aber auf Karriere nicht verzichten wollen. Schon wenige Tage vorher waren ähnliche Ergebnisse einer vergleicharen, vom Onlinenetzwerk Xing in Auftrag gegebene und vom Marktforschungsinstitut Forsa durchgeführte Studie veröffentlicht worden.

Wegweiser mit Vereinbarkeit, Familie und Beruf

Klar geht das wie auf diesem Bild. Aber geht das auch für jemanden, der Karriere machen will?

Das Thema scheint also aktuell zu sein. Was allerdings auffällt, ist, dass in dieser Diskussion über die Vereinbarkeit von Beruf (oder besser: Karriere) und Familie nicht mehr wie bis vor kurzem nur von Frauen die Rede ist, sondern nun immer öfter auch von Männern.

Der Wunsch der Führungskräfte ist verständlich. Wem geht es nicht so? Aber bekanntlicht ist das Leben nun einmal kein Wunschkonzert. Es bietet zwar erfreulicherweise viele Optionen, aber leider schließen sich diese nur allzu oft gegenseitig aus. Wenn wir uns für eine bestimmte Sache entscheiden, entscheiden wir uns damit in der Regel zwangsläufig gegen eine andere Sache. Wer nach rechts abbiegt, kann nicht gleichzeitig nach links fahren. Entweder das Ziel haben, Olympiasieger zu werden und dafür über Jahre täglich sechs Stunden hart trainieren müssen ODER gemütlich in der Hängematte liegen und mit Freunden abhängen. Entweder schlank bleiben und auf Kalorienbomben verzichten ODER den ganzen Tag Schokolade und Leberkässemmeln futtern. Entweder Karriere machen und viel Geld verdienen wollen und dafür enorm viel Lebenszeit und Energie investieren ODER viel Zeit mit der Familie verbringen. Entweder das eine ODER das andere. Beides geht meistens nicht. Das Habenwollen des einen bedeutet in der Regel das Verzichtenmüssen auf das andere. Zumindest bei uns Normalsterblichen. Bei Genies mag das anders aussehen.

Ich bin sicher, dass den meisten Führungskräften diese Zwänge auch bewusst sind, bzw. im Laufe ihrer Karriere (oft schmerzhaft) bewusst geworden sind. Aber wie man gefragt wird, so antwortet man. Wenn diesen Führungskräften also die Frage gestellt wird „Würden Sie gerne mehr Zeit mit Ihrer Familie verbringen?“, dann wäre es sehr verwunderlich, wenn nicht die große Mehrheit mit „Ja“ antworten würde. Man müsste, um wirklich aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, viel schärfer und pointierter fragen. Also etwa so: „“Würden Sie gerne mehr Zeit mit Ihrer Familie verbringen und dafür auf Karriere und Geld verzichten?“ Wenn dann immer noch die Antwort „Ja“ lautet, dann könnte weiter gefragt werden. Zum Beispiel: „Warum tun Sie es dann nicht? Wer oder was hindert Sie daran?“

Im Leben bekommen wir nichts geschenkt, alles hat seinen Preis. Auch die Karriere.

 

Kommentare sind deaktiviert.