Jobsuche: Umgehen Sie die Personalabteilung!

Meiden Sie Personalabteilungen! Das ist eine der grundlegenden Devisen für die erfolgreiche Jobsuche für alle Stellensuchenden, die Nicht-Idealkandidaten sind. Denn Personalabteilungen verhindern sogar eher Einstellungen, als dass sie welche bewirken!

Madeleine Leitner

„Es ist unvorstellbar, was innerhalb von großen Firmen geschieht“, sagt die Münchener Wirtschaftspychologin und Karriereberaterin Madeleine Leitner.

Warum? Die eigentliche Aufgabe von Personalabteilungen besteht darin, geeignete Mitarbeiter für Firmen zu suchen und Engpässe zu vermeiden. Sie versuchen daher, Schaden von Firmen abzuwenden, indem sie die aus ihrer Sicht ungeeignete Bewerber aussortieren. Dabei gehen sie nach rein formalen Kriterien vor, bei denen nur Kandidaten mit einem idealen Profil die Chance für ein Vorstellungsgespräch bekommen. Alle anderen erhalten eine Absage: Sie sind angeblich zu alt, haben zu viel oder zu wenig Berufserfahrung, den falschen Abschluss, mangelnde Branchenkenntnisse, zu schlechte Noten oder ähnliches. Den wissenschaftliche Beleg für den Sinn dieser Vorgehensweise sind die Personaler allerdings bisher schuldig geblieben, da systematische Kontrollgruppen fehlen. „Es ist halt so“ und wird niemals hinterfragt. Dabei gibt es sogar die Behauptung, dass jedes beliebige Verfahren für die Vorauswahl von Kandidaten für Auswahlgespräche gleich gut oder schlecht ist. Aber Mythen haben eine lange Lebensdauer.

Darüber hinaus gibt es geradezu groteske Beispiele, wie Personalabteilungen trotz großen Bedarfs motivierte und geeignete Bewerber eher abschrecken, statt Personalengpässe im Sinne der Firma zu beseitigen. Trotz des immer noch anhaltenden Trends zum Personalabbau gibt es derzeit auch große, bekannte Firmen, die in großem Maße einstellen und sogar offiziell Tausende von qualifizierten Mitarbeitern suchen.

Die Münchner Wirtschaftspsychologien und Karriereberaterin Madeleine Leitner machte in der Arbeit mit ihren Klienten aber immer wieder erstaunliche Erfahrungen. „Besonders bei großen Firmen weiß die Linke nicht, was die Rechte tut“, ist ihre Beobachtung. Theorie und Praxis klaffen oft völlig auseinander. So erhielten ihre qualifizierten und angeblich händeringend gesuchten Klienten, die sich aufgrund von Stellenausschreibungen im Internet bewarben, über Wochen hinweg trotz eines passgenauen Profils keine Reaktion und schließlich nichtssagende Absagen. Die zunächst motivierten Bewerber gewannen daher den Eindruck, dass sie generell für die Firma nicht in Frage kämen. Nur durch große Hartnäckigkeit und unter wiederholtem Einsatz aller Kontakte gelang es einem Klienten, nach Monaten unter Umgehung der diversen beteiligten Personalabteilungen endlich eine Zusage zu bekommen – natürlich von einer Fachabteilung. Diese ließ die Einstellung dann noch lediglich von der Personalabteilung absegnen.

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass es für die Absagen durchaus plausible Gründe gegeben hatte. Zunächst die Tatsache, dass erst interne Kandidaten zum Zuge kamen, dann die nächste Tatsache, dass erst der offizielle Start für Möglichkeiten, externe Bewerber einzustellen, von einer hochrangigen Abteilung gegeben werden musste. Dann die einfache Tatsache, dass die Personalabteilungen aufgrund der Vielzahl von Einstellungen völlig überlastet waren. Oder eine weitere Tatsache, dass nicht quer gedacht wurde. „Es ist unvorstellbar, was innerhalb von großen Firmen geschieht.“ meint Madeleine Leitner. „Bleiben Sie deshalb unbedingt am Ball und geben Sie nicht einfach auf!“

Fazit: Versuchen Sie, primär mit Fachabteilungen direkt in Kontakt zu treten! Und: Nutzen Sie Ihre Kontakte oder stellen Sie diese her. Fast drei Viertel aller Positionen werden nach wie vor nicht über Stellenausschreibungen und darauf folgende Bewerbungen besetzt, sondern durch persönliche Kontakte oder Empfehlungen.

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