In welcher Maßeinheit misst man eigentlich eine „Herausforderung“?

Die Kolumne von Damian Sicking

Gerne begründet ein Manager seinen Wechsel auf eine höhere Position bei einem anderen Unternehmen mit der „Herausforderung“, die damit verbunden sei und betont, wie sehr er sich darauf freue. Das ist schön für den Manager. Aber ist es auch schön für das betreffende Unternehmen? Ich frage mich, ob ich als Mitarbeiter oder auch Aktionär ein gutes Gefühl hätte, wenn jemand die Geschäfte meines Unternehmens führen sollte, der diesen Job als „Herausforderung“ betrachtet. Ich glaube, ich hätte ein besseres Gefühl, wenn dies jemand erledigen würde, der schon einmal gezeigt hat, dass er so etwas kann.

Stellen Sie sich vor, Sie möchten, dass jemand in Ihrem Auftrag auf den Gipfel des Mount Everest steigen sollte, um dort für Sie etwas zu erledigen. Wem würden Sie diesen Job eher anvertrauen? Jemandem, der bisher lediglich auf 2.000 und 3.000 Meter hohen Bergen herumgekraxelt ist und für den die Besteigung des 8.848 Meter hohen Mount Everest somit eine echte „Herausforderung“ wäre? Oder doch eher demjenigen, der schon einmal auf einem 8.000er Gipfel stand und somit bewiesen hat, dass er zu solchen Leistungen in der Lage ist?

Wen würden Sie eher engagieren, um auf dem Mount Everest etwas für Sie zu erledigen - Jemanden, der bisher lediglich im Mittelgebirge herumgekraxelt ist und für den die Besteigung Mount Everest eine echte "Herausforderung" wäre, oder doch eher denjenigen, der schon einmal auf einem 8.000er Gipfel stand und der somit bewiesen hat, dass er zu solchen Leistungen in der Lage ist?

Wen würden Sie eher engagieren, um auf dem Mount Everest etwas für Sie zu erledigen – jemanden, der bisher lediglich im Mittelgebirge herumgekraxelt ist und für den die Besteigung des Mount Everest eine echte „Herausforderung“ wäre, oder doch eher denjenigen, der schon einmal auf einem 8.000er Gipfel stand und der somit bewiesen hat, dass er zu solchen Leistungen in der Lage ist?

Nachdem dies geklärt ist, nun eine zweite Sache: Wenn jemand von einer „Herausforderung“ spricht, was meint er eigentlich damit? Gibt es eine Maßeinheit, mit der sich eine berufliche Herausforderung messen lässt? Meines Wissens nicht, und daher habe ich mich mal hingesetzt, um diese Lücke zu schließen.

Zuerst dachte ich, die Maßeinheit für eine „Herausforderung“ sei schlicht und ergreifend das Gehalt in Euro (oder Dollar, Pfund und so weiter). Wer also erklärt, dass er sich auf die neue Herausforderung als Geschäftsführer bei der Machreibach GmbH freue, dann hieße dies nichts anderes, als dass er sich auf die vielen Euros freut, die auf sein Konto strömen.

Doch diese Gleichsetzung greift zu kurz, wie folgendes Beispiel zeigt: Der Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain verdient sieben bis acht Millionen Euro im Jahr. Sollte er nun den Job von Malermeister Pinsel übernehmen, der mit deutlich weniger Euro dotiert ist, würde dies trotzdem eine große Herausforderung für Jain sein, weil er vom Anstreichen und Tapezieren keinen Schimmer hat.

Um diesen Faktor zu berücksichtigen, habe ich eine Formel entwickelt, mit der sich gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe erschlagen lassen. Erstens lässt sich die Höhe einer beruflichen Herausforderung berechnen, und zweitens lässt sich aus Sicht eines Arbeitgebers feststellen, ob jemand für den Job geeignet ist oder nicht.

Die Formel besteht aus den drei Elementen „Eigene Voraussetzungen, um den Job erfolgreich zu bewältigen“ (1 = schlechte Voraussetzungen, 10 = optimale Voraussetzungen), „Gehalt (inklusive aller zusätzlichen Leistungen)“ und dem „Risiko zu scheitern“ (1 = so gut wie kein Risiko, 10 = sehr hohes Risiko). Die Formel lautet:

(Eigene Voraussetzungen x Gehalt) : Risiko zu scheitern = x

Beispiel für einen Top-Job, der einem Top-Kandidaten angeboten wurde. Seine Voraussetzungen sind sehr gut, das Risiko zu scheitern sehr gering, das Gehalt angemessen:

(9 x 750.000) : 2 = 3.375.000

Derselbe Job für jemanden mit schlechten Voraussetzungen und hohem Risiko:

(2 x 750.000) : 9 = 166.666

Es gilt: Je niedriger der errechnete Wert, desto größer die Herausforderung (desto ungeeigneter der Bewerber). Der erste Kandidat ist in diesem Beispiel etwa 20 Mal so viel wert wie der zweite. Oder anders: Der zweite Kandidat dürfte für denselben Job nicht mehr als 37.500 Euro im Jahr verdienen. Interessant, nicht wahr? Gut, ich gebe zu, die Formel ist noch nicht serienreif, aber es ist schon mal ein Anfang. Vielleicht haben Sie ja eine Idee, wie man sie zu einem Instrument entwickeln kann, mit dem sich wirklich arbeiten lässt. Wäre doch eine schöne Herausforderung.

 

Kategorien: Allgemein, Kolumne

Kommentare sind deaktiviert.