„Ich habe Rücken“ – das kann auch am Job liegen

Die Kolumne von Damian Sicking

Gestern fühlte ich mich wie Horst Schlämmer, Sie wissen schon, der Stellvertretende Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblattes, der ja mal fast Bundeskanzler geworden wäre („Isch kandidiere!“). Ich hatte Rücken. Also Rückenschmerzen. Ganz furchtbare Rückenschmerzen sogar. Ich konnte mich kaum noch bewegen. Meinen Termin in der Stadt musste ich absagen, weil ich mir die Schuhe nicht zubinden konnte. Wenn das nicht bald besser wird, dachte ich, dann bleibt mir nur die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten. Erstens: Ich geh zum Arzt. Oder zweitens: Ich such mir einen anderen Job.

Braucht kein Mensch: Rückenschmerzen.

Braucht kein Mensch: Rückenschmerzen.

Was ich bis vor kurzem nämlich auch noch nicht wusste: Rückenschmerzen können ihre Ursache tatsächlich im Beruf haben, und zwar nicht nur bei Spargelstechern oder Gewichthebern. Die Schmerzklinik Göttingen hat schon vor langem herausgefunden, das Demotivation und Stress am Arbeitsplatz bei vielen Betroffenen zu starken und anhaltenden Rückenschmerzen führen können. Und weil die Menschen eigentlich – also rein körperlich – kerngesund sind, helfen die üblichen medizinischen Therapien (Tabletten, Zäpfchen, Spritzen, Operation) nicht wirklich weiter.

Daher raten Fachleute den Betroffenen dazu, den Job zu wechseln. Wie es der Zufall manchmal so will, erhielt ich exakt heute einen Brief, der sich genau mit diesem Thema befasst. Es war ein Schreiben einer Beraterin/Trainerin/Expertin mit dem Versprechen, allen Rückenschmerzgeplagten zu helfen. Diese Hilfe sieht so aus, dass sie mit uns zusammen „eine Vision erarbeitet, wie wir uns fühlen würden, wenn wir anerkannt, glücklich und zufrieden von der Arbeit nach Hause kämen“. Dann empfiehlt sie uns: „Pflegen Sie ein paar Wochen lang diese Vision jeden Tag ein paar Minuten. Das hilft dabei, den inneren Antrieb zu wecken, um sich seinem Potential entsprechend zu verändern. Dann werden neue Lösungen leichter realisierbar.“

Klingt ja nicht schlecht, aber ich bin nicht sicher, ob Visionen wirklich gegen Rückenschmerzen helfen. Und ehrlich gesagt, Visionen sind nicht mein Problem, davon habe ich mehr als genug. Da brauch ich keine Hilfe. Mein Problem sind die Rückenschmerzen.

Aber das Thema ist ernst. Sagen wir es doch, wie es ist: Arbeit macht krank. Das ist die brutale Wahrheit. Gerade habe ich noch irgendwo gelesen, dass jeder zehnte Arbeitnehmer seine Arbeit gesundheitlich belastend findet. Rund 2,4 Millionen Erwerbstätige leiden an arbeitsbedingten Gesundheitsschäden, davon knapp eine Millionen an Rückenschmerzen. Das sind aktuelle Zahlen bzw. waren es vor ein paar Jahren.

Vielleicht kann in dem einen oder anderen Fall tatsächlich ein Jobwechsel Linderung verschaffen, aber als generelles Rezept taugt dieser Rat doch wohl eher nicht. Man denke nur an die Gefahr, vom Regen in die Traufe zu kommen. Am Ende bekommt man zusätzlich zu seinen Rückenschmerzen auch noch rheumatische Beschwerden oder Haarausfall. Ich bin ja sowieso der Meinung, dass uns nicht nur die Arbeit krank macht, sondern das Leben an und für sich; und dann endet es auch noch mit dem Tode, meistens jedenfalls. Schlimm!

Na schön, und was mach ich jetzt mit meinen Rückenschmerzen? Job wechseln? Zum Arzt gehen? Die eine Alternative ist so unattraktiv wie die andere. Vielleicht leg ich mich doch erst noch mal in Schonhaltung aufs Sofa und versuche es doch mal mit den Visionen. Oder warten Sie: Hab ich nicht noch irgendwo diese Horst-Schlämmer/Hape-Kerkeling-DVD? Dann lach ich mich einfach wieder gesund. Denn Lachen soll ja die beste Medizin sein. Und ist dazu auch noch viel billiger. „Weisse Bescheid, Schätzilein?“

Kategorien: Allgemein, Humor, Kolumne

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