„Ich bin so schön, ich bin so toll…“ Der schmale Grad des Eigenmarketings auf Facebook

Wenn wir uns in den sozialen Medien bei anderen positiv darstellen wollen, geht der Schuss oft nach hinten los. Statt Bewunderung ernten wir Ablehung. Das berichtet der Lehrstuhl für Sozialpsychologie der Universität Mannheim vor dem Hintergrund entsprechender Studien. Wir zitieren den Originaltext:

Regelmäßig posten Menschen bei Facebook Status-Meldungen über ihre großen und kleinen Erfolge im Beruf oder Studium, über ihr soziales Engagement oder Trainingsfortschritte. Sie freuen sich über jede positive Resonanz, die sie von ihren Mitmenschen erhalten – sei es in den sozialen Netzwerken selbst oder durch persönliche Rückmeldungen. Doch wirkt solche „Eigenwerbung“ auf andere wirklich immer positiv oder könnte sie auch leicht nach hinten losgehen, da sie als Angeberei gewertet wird? Sind sich Menschen möglicher negativer Konsequenzen überhaupt bewusst?

Mit diesen Fragen hat sich ein Team um Irene Scopelliti beschäftigt. Erste Experimente der Forschenden zeigen, dass Menschen tatsächlich negative Reaktionen ihrer Mitmenschen auf Angeberei eher unterschätzen. Dafür überschätzten sie tendenziell positive Reaktionen, wie Stolz oder Freude. Diese Studien basierten allerdings nur auf erinnerten Situationen, in denen man selbst oder jemand vor einem angegeben hatte.

Fashionable businessman

„Findet ihr mich auch so bewundernswert wie ich mich selbst?“ Wer sich auf Facebook immer nur als toller Hecht darstellt, gilt schnell als Prahlhans.

In einem weiteren Experiment wurde deshalb untersucht, wie sich konkrete Versuche einer besonders guten Selbstdarstellung auf die Wahrnehmung anderer auswirken. Die Teilnehmenden eines ersten Studienteils sollten ein kleines Persönlichkeitsprofil von sich  erstellen, in dem sie fünf Dinge über sich selbst niederschreiben, beispielsweise hinsichtlich  Aussehen, Familie oder Hobbies. Einer Hälfte der Teilnehmenden wurde zudem gesagt, dass ihr Profil von anderen bewertet werden würde. Deshalb sollten sie möglichst Fakten benennen, die ein großes Interesse zum Kennenlernen wecken würden. Während diese Instruktion eine positive Selbstdarstellung bei der Beschreibung fördern sollte, erhielt die andere Hälfte der Teilnehmenden keine weiteren Informationen. Alle Teilnehmenden schätzen abschließend ein, welchen Eindruck ihr Profil auf andere (z.B. hinsichtlich Sympathie oder Angeberei) haben würde. Ob diese Einschätzungen richtig waren, konnte überprüft werden – denn die Profile wurden in einem zweiten Studienteil anderen Personen zur Bewertung vorgelegt.

Hierbei zeigte sich, dass Teilnehmende allgemein überschätzen, wie positiv sie von den Beurteilenden gesehen wurden. Dies war insbesondere bei jenen der Fall, denen nahe gelegt wurde, sich möglichst positiv darzustellen. So erhofften sie sich mehr Sympathie als die anderen Teilnehmenden – wurden tatsächlich aber sogar schlechter bewertet. Zudem wurden sie eher als AngeberInnen wahrgenommen.

Der Grat zwischen einem positiven selbstsicheren Auftreten und bloßer Angeberei ist diesen Ergebnissen nach sehr schmal. Es ist zwar natürlich, vor anderen Mitmenschen positiv auftreten zu wollen, doch man sollte sich gerade in Zeiten sozialer Medien vielleicht auch fragen, wann es zu viel des Guten ist. Einige überschwängliche Mitteilungen teilt man vielleicht doch besser persönlich im Freundeskreis mit Menschen, die einen gut kennen.

Scopelliti, I., Loewenstein, G., & Vosgerau, J. (2015). You call it “self-exuberance”; I call it “bragging”: Miscalibrated predictions of emotional responses to self-promotion. Psychological Science, 26, 903–914. doi:10.1177/0956797615573516

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