Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts

„Wollen Sie lieber heute eine halbe Stunde Sport machen

oder morgen 24 Stunden tot sein?“

Quelle: Unbekannt

 

„Was nutzt einem die Gesundheit, wenn man ansonsten ein Idiot ist?“, hat der Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno mal gesagt. Klar, wer ist schon gerne ein Idiot! Aber ein Idiot ist auch, wer sich nicht um seine Gesundheit kümmert.

Stimmt schon: Gesundheit ist nicht alles. D´accord, verehrter Herr Adorno. Aber genauso klar ist: Ohne Gesundheit ist alles nichts. Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Gesunden und einem Kranken? Der Gesunde hat viele Wünsche. Der Kranke hat nur einen Wunsch: Wieder gesund zu sein.

Ich kenne viele – darunter auch viele Manager, Unternehmer und Selbstständige -, die ein gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper haben. Es gibt da diese beiden Gruppen, beide extrem. Die Mitglieder der einen Gruppe kümmern sich überhaupt nicht um ihren Körper und behandeln ihn schlecht. Da kommt diese Leibfeindlichkeit zum Ausdruck, wie es sie seit der Antike gibt. Der Körper als bloßes Gefäß der Seele. Und dann ist da die zweite Gruppe. Ihre Mitglieder sind genauso extrem, nur exakt am anderen Pol. Für sie ist der Körper ein Kunstwerk, an dem sie permanent herummodellieren, um ihn immer noch perfekter zu machen. Selbstoptimierung. Die ganz Krassen machen aus ihrem Körper eine Religion. Sie verehren ihn wie einen Götzen, dem sie dienen und huldigen. Beides ist Mist, Bullshit. Körperignoranz oder Körperkult. Zu welcher Gruppe zählen Sie?

Ich selbst war Jahre lang auch so drauf. Ganz oder gar nicht, war mein Motto. 100 Prozent oder totale Flaute. Immer extrem. Sport? Ja klar, Triathlon und Trainieren bis zur Kotzgrenze. Schwimmen, Rad fahren, Laufen. Ohne Pause direkt nacheinander. Krass! Aber man gönnt sich ja sonst nichts. Keine halben Sachen. Ich hab mich im Training immer abgeschossen. Einfach mal locker einen Runde durch den Park joggen und dabei das schöne Wetter und den eigenen Körper genießen? An sich eine tolle Sache, aber hallo? Ich bin´s! Mister ganz oder gar nicht. Ich machte Sport nicht aus Spaß, sondern um was zu erreichen. Um was zu gewinnen. Weil ich mir ja unbedingt selbst beweisen musste, was für ein toller Hecht ich auch im Sport war. Meine Definition von gutem Training damals? Ein Training ist gut, wenn es dich total kaputt macht.

„Wollen Sie lieber heute eine halbe Stunde Sport machen oder morgen 24 Stunden tot sein?“

Und ich kenne auch die andere Seite. Die Gruppe der Körperignoranten. Die Leute, die ihr Auto besser behandeln als ihren Body. Morgens früh eine schnelle Tasse Kaffee, schwarz und stark. Zum Hochpuschen. Abends spät Rotwein oder Hochprozentiges zum Runterkommen und zur Belohnung. War wieder ein harter Tag mit jeder Menge Action. Rotieren und Routine. Ganz normal. Wieder mal zu kurz gekommen: der Sport als Ausgleich. Wieder nur von außen gesehen: das Fitnessstudio. Wieder zu viel gegessen, zu viel getrunken, zu viel gesessen. Und jetzt: Total erschlagen, kaputt, todmüde und gleichzeitig aufgedreht wie eine Minions-Figur.

Das waren diese Tage damals, als ich noch in der Tretmühle festsaß. Es war toll. Einerseits. Weil ich ja so produktiv war. So wichtig. So viel gewuppt gekriegt hatte. Ich, der große Zampano. Und gleichzeitig war es die Hölle. Weil ich einfach nicht mehr richtig runterkam. Weil ich nur noch gehetzt war. Weil meine Pumpe raste. Weil ich immer fetter und unfitter wurde. Weil ich spürte, dass da etwas in die falsche Richtung lief. Und zwar komplett. Ich kümmerte mich um tausend Sachen. Nur eins interessierte mich einen Dreck: mein Körper. Der hatte schlicht und einfach zu funktionieren. Und er tat es ja auch. Noch. Aber wie lange kann so etwas gut gehen? „Dead end“ sagen die Amerikaner, was bei uns „Sackgasse“ heißt.

Heute denke ich anders darüber. Reflektierter. Reifer. Erwachsener. Ich achte auf meinen Körper, weil er mich gesund hält. Weil er dafür sorgt, dass ich leistungsfähig bleibe und Freude am Leben habe. Einer meiner Lehrer hat mal gesagt: „Imagine the body as a hotel! You should choose a good hotel!” Das ist es. Nicht mehr und nicht weniger. Dein Körper ist das Haus, in dem du wohnst. Und du willst dich doch in deinem Haus wohl fühlen. Du willst, dass es in einem guten Zustand bleibt, auch nach Jahren. Oder nicht? Ich denke schon, dass du das willst. Aber das kommt nicht von allein. Dafür muss man was tun. Das Haus in Schuss halten. Da reicht es nicht, alle paar Wochen mal schnell feucht durchzuwischen. Das muss man ernst nehmen. Da muss man sich kümmern.

Jeder sollte sich wohl fühlen in seinem Körper. My Body is my castle. Oder eben mein Hotel. Dafür muss man an drei Stellschrauben drehen:

  1. Sport
  2. Schlaf
  3. Ernährung

Jeder gesunde Mensch hat 656 Muskeln. Die muss man nicht alle persönlich kennen und jeden Morgen begrüßen. Aber man sollte sie wertschätzen und pflegen. Wenn ich nett bin zu meinem Muskel, ist er auch nett zu mir. Dann hält er mich aufrecht, er sorgt für einen starken Rücken und geschmeidige Bewegungen. Ein guter Muskel macht mich stark. Also sollte ich auch meinen Muskel stark machen. Wann haben Sie zuletzt etwas für Ihren Muskel getan? Schon etwas her? Schlecht. Denn das Problem beim Muskel ist: Use it or lose it. Wenn ich meine Muskeln nicht benutze und trainiere, verkümmern sie.

Body? Check!

„Wer sich heute keine Zeit für seine Bewegung nimmt, wird sich später ganz viel Zeit für seine Krankheiten nehmen müssen“, sagt Prof. Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Um körperlich fit zu werden und zu bleiben, muss aber niemand eine 100-Kilo-Freihantel stemmen oder einen Marathon laufen oder einen Ironman finishen. Im Gegenteil. Übertreiben Sie es nicht. Training ist prima, Übertraining ist es nicht. Oder glauben Sie wirklich, sie können noch einmal Olympiasieger werden? Jeden Tag zehn bis 30 Minuten reicht schon. Erinnern Sie sich an den Satz, den ich diesem Kapitel vorangestellt habe? „Wollen Sie lieber heute eine halbe Stunde Sport machen oder morgen 24 Stunden tot sein?“ That´s it. So simple. Wenn Sie nicht wissen, was Sie tun sollen, fragen Sie jemanden, der sich auskennt. In jeder besseren Stadt gibt es professionelle Personal Trainer. Geben Sie in Ihrer Suchmaschine einfach die Wörter „Sport Personal Trainer“ und den Namen Ihrer Stadt ein, und es ploppen sofort hunderte von Coaches auf, die begierig darauf sind, Sie wieder in Form zu bringen.

Aber schieben Sie Ihren Start in ein neues, sportlicheres Leben nicht auf, bis sie den für Sie optimalen Personal Trainer gefunden haben. Beginnen Sie noch heute. Sofort. Legen Sie dieses Buch beiseite, stehen Sie auf und machen Sie zehn Kniebeugen. Oder 20, wenn Sie es schaffen. Und wenn es Ihnen immer noch nicht reicht, schieben Sie zehn Liegestützen und zehn Klappmesser hinterher. Nein, das ist nicht lächerlich. Sondern ein Anfang. Und die alten Übungen von Turnvater Jahn sind noch immer total up to date. Sie haben heute nur andere Namen. „Squat“ zum Beispiel oder „Pushup“ oder „Jackknife“. Klingt schon viel moderner, nicht wahr? Sind aber auch nur ganz ordinäre Kniebeugen, Liegestütze und Klappmesser. Für mich drei der besten Fitnessübungen überhaupt. Und sie lassen sich überall machen, sowohl im Büro als auch im Hotelzimmer. Also: no excuses! Tun Sie es nicht für mich (und auch nicht für Professor Froböse). Tun Sie es für sich! Aber ganz undogmatisch. Kein Druck. Wenn Sie mal zu müde sind, kein Problem. Dann nehmen Sie lieber eine Mütze voll Schlaf.

„Gott schläft ja auch nicht“

Wenn wir schon beim Thema sind. Wie viele Stunden schlafen Sie denn so pro Nacht? Vier, fünf, sechs? Vor allem Top-Manager ticken da ganz komisch. Sie prahlen damit, mit wie wenig Schlaf sie auskommen. Und die Wirtschaftsmagazine feiern sie dafür. Goldmedaille in der Disziplin Short Track Power Napping. Für viele Manager ist Schlafen nichts anderes als verschwendete Zeit. Ein notwendiges Übel, ähnlich wie Zähne putzen. Schlafen ist etwas, was man möglichst schnell hinter sich bringen will, um sich wieder seinen wichtigen Aufgaben widmen zu können. Überspitzt gesagt schlafen Manager  überhaupt nicht. Auch wenn sie die Augen geschlossen haben, schlafen sie nicht. Gott schläft ja auch nicht. Was Manager im Höchstfalle tun, ist ruhen. Sie ruhen sich aus von den unmenschlichen Strapazen, die sie tagtäglich zu erleiden haben.

Ist Ihnen das schon mal aufgefallen? Unsere gesamte Gesellschaft hat ein sonderbares Verhältnis zum Schlafen. Ein Beispiel: Alle Menschen träumen davon, morgens lange zu schlafen. Viele Menschen jubeln: „Toll, morgen kann ich endlich wieder ausschlafen.“ Kennen Sie vielleicht auch. Aber wer sagt: „Toll, heute kann ich mal ganz früh ins Bett gehen!“? Der Punkt ist: Jeder will ausgeschlafen sein, aber kaum jemand macht aktiv etwas dafür. Ein guter und ausreichender Schlaf ist ein Geschenk. Aber man muss auch seine Tür öffnen, damit einem das Geschenk überreicht werden kann. Also geben Sie dem Schlaf die Möglichkeit, Sie zu erreichen. Der erste Schritt: Hinlegen, Augen zu!

Glauben Sie etwa auch,dass man aus Blei Gold machen kann?

Letzte Woche war ich wieder unterwegs. Es war ein guter Tag gewesen. Ich war zeitig am Flughafen und hielt mich bis zum Check-in im Frequent Traveller Bereich auf. Interessanter als jeder Besuch im Zoo. Was mir auffiel: 90 Prozent der Leute holten sich als erste Amtshandlung erst mal ein Bier oder einen Wein. Dazu die Bockwurst, von der ich lieber gar nicht wissen möchte, was sie für eine Vorgeschichte hat. Und natürlich Süßigkeiten. Mit anderen Worten: Fast jeder stopfte irgendeinen Müll in sich hinein und spülte ihn mit Alkohol hinunter. „Ahhhhh, das hab ich mir jetzt verdient…“ Wirklich? Ist es das, was unser Körper nach einem harten Arbeitstag braucht? Müll und Alkohol? Kommen Sie!

Wer den ganzen Tag Junkfood in sich hineinstopft und erwartet, dass sein Verdauungsprozess daraus positive Energie gewinnt, der glaubt auch, dass man aus Wasser Wein oder aus Blei Gold machen kann. „Der Mensch ist, was er isst“, sagen manche. Ist aber Quatsch mit Soße. Was richtig ist: Wer dauerhaft das Falsche isst, der wird niemals das werden, was er sein kann. Weil ihm einfach die Energie fehlt, um sein Potenzial auszuschöpfen und aus sich das Beste zu machen.

Die Krux ist: Wir haben beim Thema gesunde Ernährung kein Wissens-, sondern ein Umsetzungsproblem. Jedem ist klar, dass ihm Chips und Currywurst nicht guttun. Wir ziehen uns das Zeug aber trotzdem rein. Warum? Weil der Geist zwar willig, aber das Fleisch schwach ist. Ja klar: Essen hat auch etwas mit Lust und Genießen zu tun. Was heißt „etwas“?! Essen hat ganz viel mit Genießen zu tun. Essen und Trinken können ein sinnliches Vergnügen sein. Und da ist gar nichts Schlimmes dran. Der saftige Burger, das feine Stracciatella-Eis vom Italiener und die zarte Vollmilchschokolade sind Lebensqualität – wenn man es in Maßen zu sich nimmt. Auch hier gilt: Genießen Sie es, aber übertreiben Sie nicht.

Ich habe gelernt, dass es gut für mich ist, auf meinen Körper zu hören. Und mein Körper sagt mir: Vermeide Extreme! Nimm den mittleren Weg. Weder Körperkult noch Körperignoranz. Weder Völlerei noch Askese. Und vor allem achte ich darauf, dass ich ausreichend schlafe. „Jeden wichtigen Fehler, den ich in meinem Leben gemacht habe, habe ich gemacht, weil ich müde war“, sagte der frühere US-Präsidenten Bill Clinton einmal. Der Satz könnte von mir sein. Ich hasse es, müde zu sein. Ich kriege dann nichts auf die Reihe und mache dumme Sachen. Es gibt nur eine Ausnahme: Wenn ich nach einem guten Tag und mit mir und der Welt im Reinen im Bett liege und das Licht ausmache. Dann finde ich es toll, müde zu sein. Ansonsten bin ich lieber stark, hellwach und ausgeschlafen zu sein.

(Autor: Damian Sicking)

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