Gemeinsamkeit macht stark – auch wenn wir dabei alleine sind!

Allein das Gefühl, mit anderen Personen zusammenzuarbeiten, kann bei der Bewältigung einer Aufgabe zu mehr Motivation, Ausdauer und Freude an der Arbeit führen. Das berichtet der Lehrstuhl für Sozialpsychologie der Universität Mannheim vor dem Hintergrund entsprechender Studien. Wir zitieren den Originaltext:

Die Zusammenarbeit mit unseren Mitmenschen spielt eine zentrale Rolle in unserer Gesellschaft – ob beim Sandburgenbauen in der Kindheit, einem Fußballspiel im Team oder der gemeinsamen Gründung eines Unternehmens. Vieles wäre allein gar nicht denkbar. Gemeinsam kann man einfach mehr erreichen!
Das Forschungsteam Priyanka Carr und Gregory Walton nahm deshalb an, dass schon ein Gefühl der Zusammenarbeit motivierend sein kann – selbst wenn man allein arbeitet. Laut den Forschenden sollte es zentral sein, ob Menschen dabei wirklich (gefühlt) zusammen an einer Aufgabe arbeiten, oder nur parallel zueinander die gleiche Aufgabe bewältigen.
Gemeinsam lachen Spaß haben macht sympathisch und stärlt die Bindung - auch im Job.

Das Gefühl, gemeinsam an einem Strick zu ziehen, steigert die Motivation und Leistungsfähigkeit.

Diese Idee wird im folgenden Experiment deutlich. Die Teilnehmenden dieser Studie trafen sich zunächst und stellten sich kurz untereinander vor, bevor sie für die Bearbeitung (allein) auf einzelne Räume aufgeteilt wurden. Eine Hälfte der Teilnehmenden wurde nun über den Studienzweck „Wie Menschen zusammen Rätsel lösen“ informiert und erhielt während der Bearbeitung einen Tipp, der angeblich von einer anderen teilnehmenden Person kam. Der anderen Hälfte der Teilnehmenden wurde lediglich mitgeteilt, dass es darum ginge, „wie Menschen Rätsel lösen“. Auch sie erhielten einen Tipp zur Bearbeitung, allerdings von der Versuchsleitung. Der Ablauf und das Kennenlernen der anderen Personen waren also für alle gleich. Während einige Teilnehmende aber einfach parallel zueinander an der Aufgabe arbeiteten, sollte bei den anderen durch einfache Hinweise ein Gefühl der Zusammenarbeit geweckt werden. Würden sie, entsprechend der Annahmen der Forschenden, tatsächlich motivierter sein? Da das Rätsel eigentlich unlösbar war, sollte die Ausdauer der Teilnehmenden hierüber Aufschluss geben. Es war ihnen nämlich freigestellt, jederzeit abzubrechen und mit einer anderen Aufgabe fortzufahren.

Teilnehmende, denen das Gefühl vermittelt wurde, mit anderen zusammenzuarbeiten, versuchten im Vergleich zu den anderen ProbandInnen in der Tat deutlich länger das Rätsel zu lösen. In einer anschließenden Befragung gaben diese Personen zudem eher an, aus eigenem Interesse heraus an dem Rätsel gearbeitet zu haben, als jene, die diese Aufgabe nur parallel zueinander bearbeitet hatten. Sie zeigten demnach eine höhere innere Motivation für die Aufgabe, während äußere Anreize (wie der Druck, mit anderen mitzuhalten) scheinbar weniger bedeutend für ihre Ausdauer waren.
Dass Hinweise gemeinsamen Arbeitens insbesondere die innere Motivation erhöhen,  wurde in weiteren Experimenten belegt. So waren Teilnehmende involvierter beim Bearbeiten anstrengender Aufgaben und zeigten durchschnittlich bessere Leistungen, aber auch weniger Erschöpfung nach der Bearbeitung, wenn ihnen vermittelt wurde, dass sie mit weiteren Personen zusammenarbeiten. Konkurrenzdenken oder Gefühle der Verpflichtung anderen gegenüber wurden hierdurch hingegen nicht erhöht.
Die Studien zeigen uns also, dass allein das Gefühl der Zusammenarbeit dazu führen kann, dass wir motivierter sind, mehr Spaß an Aufgaben haben und somit bessere Leistungen erzielen können. Inwiefern dies auf den Arbeitsalltag übertragbar ist, wäre eine Fragestellung für zukünftige Forschung. Das vorläufige Fazit lautet aber: Gemeinsam sind wir stark – auch wenn wir dabei alleine sind!
Redaktion und AnsprechpartnerIn*: Janin Rössel*, Julia Engel
Carr, P. B., & Walton, G. M. (2014) Cues of working together fuel intrinsic motivation. Journal of Experimental Social Psychology, 53, 169–184. doi:10.1016/j.jesp.2014.03.015

 

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