Für Männer sind Rangunterschiede weniger wichtig als für Frauen

Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Männer  bei der Zusammenarbeit mit Kollegen unterschiedlicher Hierarchieebenen weniger Probleme haben als Frauen.

Naja, vielleicht sollte man lieber sagen: Die Wissenschaft behauptet, dass dem so sei. Denn die empirische Basis, aufgrund derer diese Aussage getroffen wurde, scheint doch recht dünn zu sein.  Worum geht´s? Amerikanische und kanadische Forscher hatten herausgefunden, dass weibliche Wissenschaftlerinnen dazu neigen, eher mit gleichrangingigen Kolleginnen zuzsammenzuarbeiten, etwa was die Veröffentlichung einer Studie betrifft. Seltener kam es dagegen vor, dass ein weibliches Autorenteam aus Frauen unterschiedlicher Hierarchiestufen bestand, also etwa aus einer ordentlichen Professorin und einer Junior-Professorin. Im Gegensatz dazu hatten ihre männlichen Kollegen mit diesen Rangunterschieden offenbar weniger Probleme. Hier kam es deutlich häufiger vor als bei Frauen, dass ein ordentlicher Professor eine wissenschaftliche Arbeit zusammen mit einem Mitarbeiter  veröffentlichte, der in der Hierarchie unter ihm stand. Dabei spielte es auch keine Rolle, ob es sich um einen männlichen oder weiblichen Mitarbeiter handelte.

„Im Alltagsleben haben wir oft den Eindruck, dass Frauen kooperativer und freundlicher miteinander umgehen als Männer. Aber das stimmt nicht, wenn eine Rangordnung mit ins Spiel kommt“, zitiert die Online-Seite Wissenschaft-aktuell Joyce Benenson von der Harvard University in Cambridge, die an der Studie mitgearbeitet hat. Interessant: Diese Beobachtung in Bezug auf das Kooperationsverhalten von Frauen machten die Wissenschaftler nur in gleichgeschlechtlichen Teams. Wenn es um die Zusammenarbeit mit männlichen Kollegen ging, arbeiteten die höherrangigen Frauen genauso mit Männern aus einer niedrigeren Herarchieebene zusammen wie ihre männlichen Kollegen.

So weit die Fakten. Wie erklärt sich nun dieses unterschiedliche Verhalten? Bei ihrem Erklärungsversuch greifen die Verfasser der Studie tief in die biologische Verhaltensforschung ein. Schon bei Affen seien diese Unterschiede im geschlechtertypischen Kooperationsverhalten zu bebachten, schreiben sie. Während männliche Schimpansen im Verteidigungsfall gegen Eindringlinge heterogene Gruppen mit völlig unterschiedlichen „Rangabzeichen“ bildeten, würden weibliche Schimpansen nur in kleineren Verbänden oder sogar nur zu zweit auftreten. Im Verlauf der Evolution könne es sich als nützlich erwiesen haben, dass die männlichen Mitglieder einer Gruppe zwar einerseits ständig um die Stellung im Verbund konkurrieren, andererseits aber im Verteidigungsfall zum Schutz der Gruppe auch unabhängig von der Stellung Schulter an Schulter den Feind abwehren. Auch bei Kindern im Alter von fünf bis sechs Jahren lasse sich nach Angaben der Studienautoren beobachten, dass Jungen eher in größeren Gruppen etwas unternehmen, während Mädchen lieber „nur mit ihrer besten Freudin“ spielen.

Die Studie aus Nordamerika zieht ihre Ergebnisse, wie gesagt, aus der Analyse von Veröffentlichungslisten von Forschungsergebnissen. Es wäre nun interessant zu erfahren, ob sich diese Aussagen verallgemeinern lassen. Verhält es sich als in den Unternehmen ähnlich? Tun sich männliche Angestellte leichter, mit Kollegen und Kolleginnen unterschiedlicher Hierarchieebenen zusammenzuarbeiten als Frauen? Und welche Konsequenzen sollte man daraus ziehen, etwa was die Zusammensetzung von Teams betrifft? Welche Erfahrungen haben Sie mit diesem Thema in Ihrem Unternehmen gemacht? Schreiben Sie uns unter mail@der-vorgesetzte.de.

 

Inzwischen erreichte uns folgende Reaktion auf diesen Artikel:

Liebes Team von Der Vorgesetzte,

ich halte diese Studie für kompletten Unfug! In meiner langjährigen Berufserfahrung als Trainerin, später Projektleiterin und Abteilungsleiterin ist es mir nie – NIE!!! – vorgekommen, dass der Rang den Frauen übermäßig wichtig war. Im Gegenteil, Kommunikation auf Augenhöhe und gegenseitige Wertschätzung sind – zumindest für die Frauen, mit denen ich zusammengearbeitet habe und noch tue – wesentlich wichtiger als irgendeine höhere oder niedrigere Position und erzielen darüber hinaus auch erstaunliche Ergebnisse.

Herzliche Grüße

Ulla Schneider

Ulla.Schneider@business-netz.com

www.business-netz.com

 

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