Firmenchefs: Nach 4,8 Jahren geht ihnen die Puste aus

Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, was die optimale Amtszeit eines CEOs ist: 4,8 Jahre! Danach geht´s abwärts. Vielleicht nicht in erster Linie mit dem CEO, aber mit dem Unternehmen. Am Anfang Ihrer Amtszeit, so die Forscher aus Amerika, seien die Chefs noch voller Tatendrang, sprechen mit vielen Kunden und Mitarbeitern, sind bereit, Risiken einzugehen und machen Dampf, um Umsatz, Marktanteil und Gewinn zu steigern. Nach ein paar Jahren dann lässt der Elan nach. Die CEOs schalten von Angriff auf Abwehr. Nunmehr geht es ihnen in erster Linie darum, das Erreichte zu bewahren, sie legen mehr Wert darauf, Verluste zu vermeiden statt Gewinne zu erzielen. Lange amtierende Firmenchefs sind zwar gut darin, heißt es in der Studie, „die Beziehung zu den Mitarbeitern zu verbessern – aber weniger gut darin, auf die Anforderungen des Marktes zu reagieren. Diese Unternehmenslenker sind großartige Motivatoren, aber schwache Strategen. So schaffen sie es, dass die Belegschaft sich hinter ein Projekt stellt, das zum Scheitern verurteilt ist.“

4,8 Jahre, dies ist natürlich ein Durchschnittswert. Ausnahmen bestätigen die Regel. (Interessant aber, dass viele Geschäftsführer- und Vorstandsverträge unabhängig von dieser Studie eine Laufzeit von maximal fünf Jahren haben.) Es gibt CEOs, die sind mehr als zehn Jahre, zuweilen sogar mehr als 20 Jahre im Amt, machen Dampf wie am ersten Tag und führen das Unternehmen von einer Rekordmarke zur nächsten. Vor allem gilt dies natürlich für Unternehmer-CEOs, also Firmenchefs, denen die Firma zumindest teilweise gehört und/oder die sie vielleicht sogar gegründet haben. Bei diesen Personen ist der Antrieb natürlich auch ein ganz spezieller, die emotionale Beziehung zum Unternehmen viel enger als bei angestellten Managern. Bei den Unternehmer-CEOs geht es oft um das Lebenswerk. Allerdings lassen sich auch bei ihnen immer mal wieder „Abnutzungserscheinungen“ erkennen.

Und darum geht es, egal ob Unternehmer- oder angestellter CEO: Wie schafft man es, auch nach Jahren noch das Feuer in sich selbst am Lodern zu halten? Das gilt im Übrigen nicht nur für die Frauen und Männer an der Spitze der Unternehmen, sondern auch für die Manager und Mitarbeiter darunter. Ich selbst hatte mal unter dem Vorstandschef eines Verlages gearbeitet, der die zweifelhafte Auffassung vertrat, dass jeder Mitarbeiter, der länger als zehn Jahre im Betrieb sei, gefeuert werden müsse, weil er ausgebrannt sei. Für ihn selbst, also den Vorstandschef, galt dies selbstverständlich nicht; er hatte damals schon, als er seinen Glaubenssatz zum ersten Mal verkündete, eine Betriebszughörigkeit von zwölf Jahren auf dem Buckel. Heute, sieben Jahre später, ist er noch immer in Amt und, naja, Würden. Die Performance des Unternehmens hat sich in dieser Zeit nicht gerade verbessert, im Gegenteil. Gut, dass der Mann an der Spitze (nicht zu verwechseln mit dem „Spitzenmann“) sich selbst feuert, wäre vielleicht ein bisschen zu viel erwartet, aber unter den Führungskräften im Unternehmen war es eine häufig diskutierte Frage, wie der CEO es schaffte, dass ihn seine amerikanischen Bosse angesichts der schlechten Unternehmensentwicklung nicht schon längst vor die Tür gesetzt hatten.

Aber gut, das ist ein anderes Thema. Im Wesentlichen geht es hier ja um Folgendes: Wie schafft man es als CEO und insgesamt als Manager, auch nach Jahren noch das Feuer in sich selbst am Brennen zu halten? Ich gebe die Frage jetzt einfach mal an Sie weiter: Wie schaffen Sie es? Und: Denken Sie, dass 5-Jahresverträge für CEOs und Vorstände die richtige Antwort auf die Forschungsergebnisse der amerikanischen Wissenschaftler sind?

(Autor: Damian Sicking)

Kategorien: Allgemein, Kolumne

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