Fehler sind schlecht sind schlecht sind schlecht sind schlecht…

Die Kolumne von Damian Sicking

Na, heute schon einen Fehler gemacht? Nein, noch nicht?! Das ist schlecht. Dann haben Sie sich offensichtlich noch nicht genug reingehängt, noch nicht genug angestrengt, waren nicht kreativ genug, ohne Engagement bei der Sache, Sie wollen nicht raus aus der kuscheligen Komfortzone, lieber nichts riskieren, immer auf der sicheren Seite bleiben. Sie haben es offensichtlich noch immer nicht gemerkt: FEHLER SIND TOLL!!! Nur ein Mitarbeiter, der Fehler macht, ist ein guter Mitarbeiter. Wer keine Fehler macht, ist eine Lusche. So sieht´s aus.

Ja, so sieht´s aus. Jedenfalls wenn man manchen Speakern und Schreibern glaubt. Die behaupten allen Ernstes, Fehler seien etwas Gutes. Am Ende glauben sie es selber noch. Ganz ehrlich: ICH KANN ES NICHT MEHR HÖREN. Letzte Woche war ich wieder auf einer Veranstaltung. Gleich zwei Keynotespeaker predigten dort das Evangelium der ach so guten Fehler. Immer dasselbe Mantra: Fehler seien nicht, wie noch immer viel zu viele meinten, etwas Schlechtes, Negatives. Nein, Fehler seien gut. Warum? Weil man daraus lernen könne. Klar, es heißt ja auch: Aus Fehlern wird man klug. Also her mit den Fehlern, wer so ein richtiger Einstein werden will. Je mehr Fehler, desto besser, desto klüger wird man.

two serious businessmen with tablet pc in office

Fehler sind etwas Gutes? Wenn Sie sich da mal nicht verrechnen.

Quatsch mit Soße, wenn Sie mich fragen. Fehler waren schon immer etwas Negatives und zu Vermeidendes, Fehler sind auch heute etwas Negatives und Fehler werden auch Morgen noch etwas Negatives sein. Fehler sind nicht gut. Fehler sind schlecht. Ich mag keine Fehler. Ich mag es nicht, wenn ich Fehler mache, und ich mag es auch nicht, wenn andere Fehler machen. Zum Beispiel wenn der Chirurg einen Fehler macht, während er gerade an mir herumschnippelt. Oder der Polizist, der nicht den Bankräuber, sondern mich erschießt, der ich mich dummerweise gerade zu dem Zeitpunkt in dem Geldinstitut aufhielt. Vielleicht lernt ja der Chirurg oder der Polizist sogar aus diesen Fehlern – vielleicht aber auch nicht -, aber trotzdem hätte ich es irgendwie schöner gefunden, sie hätten diese Fehler nicht gemacht. Können Sie das verstehen?

Wenn Fehler so etwas Tolles wären, wie von manchen Ganzgescheiten immer wieder behauptet, dann müsste es ja einen riesigen Markt für Fehler geben. Und die Leute, welche die meisten Fehler machen, säßen ganz oben in den Chefetagen der Unternehmen. Und diejenigen Firmen, in denen die meisten Fehler gemacht würden, wären die erfolgreichsten. Diese Firmen würde ich gerne mal kennen lernen.

Manche Unternehmen bzw. deren Manager fangen ja jetzt auch schon an zu spinnen. „Bei uns sind Fehler ausdrücklich erlaubt“, sagen sie und sind auch noch stolz darauf. Das klingt dann immer so, als wenn die Mitarbeiter ein Extralob oder einen Bonus erhalten, wenn sie einen Fehler machen. Bullshit. Solche Firmen gibt es nicht. Zumindest nicht lange.

Nicht dass Sie mich falsch verstehen. Ich weiß, dass permanent Fehler gemacht werden, auch und gerade in unseren Unternehmen. Und ich begrüße es ausdrücklich, wenn man denjenigen, der einen Fehler gemacht hat, nicht sofort um einen Kopf kürzer macht. Aber es ist nun einmal so, dass Fehler in der Regel unangenehme und manchmal gravierende Folgen haben, und je schwerwiegender die Fehler, desto unangenehmer und gravierender die Folgen. Dessen sollte sich jeder Mitarbeiter bewusst sein. Finde ich. Sie nicht?

Daher habe ich – vor allem als Kunde – deutlich mehr Vertrauen zu denjenigen Firmen, in denen die Devise herrscht: „Unser Bestreben ist, Fehler zu vermeiden.“

 

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