„Eine Entschuldigung werden Sie von mir nicht hören…“

Die ausdrückliche Weigerung sich bei jemandem zu entschuldigen, führt zu einem höheren Selbstwertgefühl. Das berichtet die Universität Mannheim.

Jeder kennt es – das schlechte Gewissen, das uns nach einem Streit befallen kann. Meist kann eine Entschuldigung die Beziehung zu unserem Gegenüber schnell wieder in Ordnung bringen, und wer sich entschuldigt, fühlt sich besser. Aber wenn eine Entschuldigung so schnell und effektiv Konflikte entschärfen kann, warum fällt sie uns dann oft so schwer?

Durch eine Entschuldigung gesteht man einen Fehler und übernimmt gleichzeitig die Verantwortung dafür. Bei einem Angriff entzieht der Täter seinem Opfer symbolisch Macht, die durch eine Entschuldigung wieder zurück gegeben wird, indem man dem Opfer die Entscheidungsmöglichkeit gibt, den Angriff zu verzeihen oder nicht. Zum anderen können die bestehenden Werte und Normen innerhalb der Beziehung wieder in Einklang gebracht werden, da der Täter zugibt, sich falsch verhalten zu haben.
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Die Weigerung, sich zu entschuldigen, steigert das Selbstwertgefühl, ist aber trotzdem nicht zu empfehlen.

Folglich geht aus Sicht des Täters eine Entschuldigung automatisch damit einher, dass ein Teil der zuvor gewonnenen Kontrolle verloren geht. Zudem muss der Täter einräumen, dass sein vorangegangenes Verhalten nicht mit seinen eigentlichen Werten übereinstimmt.

Ein australisches Forschungsteam um Tyler Okimoto vermutete deswegen, dass es der wahrgenommene Kontrollverlust und das notwendige Eingeständnis eines Bruchs mit den eigenen Wertvorstellungen sind, die dazu führen, dass uns ein „Entschuldigung“ oft schwer über die Lippen geht. Durch das Vorenthalten einer Entschuldigung wird dagegen das Kontrollgefühl weiter verstärkt und das Fehlverhalten muss nicht eingestanden werden. Da sowohl das Kontrollgefühl als auch die Werteintegrität zentral für unser Selbstkonzept sind, nahm das Forschungsteam an, dass die Weigerung sich zu entschuldigen zu einer Aufrechterhaltung der eigenen Wertevorstellungen, zu einer Steigerung des Kontrollgefühls und somit zu einem gesteigerten Selbstwertgefühl führen kann.

Diese Annahme testete das Team in einer Online-Studie. Die Teilnehmenden sollten sich zunächst an eine Situation erinnern, in der sie einer anderen Person geschadet hatten. Eine Gruppe der Teilnehmenden sollte dann (unabhängig vom tatsächlichen Verhalten in der damaligen Situation) eine Entschuldigung schriftlich formulieren, während die zweite Gruppe die Entschuldigungsverweigerung schriftlich festhalten sollte. Eine dritte Gruppe diente als Kontrollgruppe und erhielt keine weitere Instruktion. Im Anschluss sollten alle Teilnehmenden Einschätzungen zu ihrem Kontrollgefühl, der Einhaltung ihrer Wertevorstellungen und ihrem Selbstwertgefühl abgeben.

Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl eine Entschuldigung als auch eine ausdrückliche Entschuldigungsverweigerung zu einem erhöhten Kontrollgefühl und zur Aufrechterhaltung der eigenen Wertevorstellungen führen können. Das Selbstwertgefühl stieg dagegen nur nach einer verweigerten Entschuldigung.

Somit können sowohl eine Entschuldigung als auch die Weigerung sich zu entschuldigen positiv auf unser eigenes Empfinden wirken. Nichts desto trotz sollten wir bei der Entscheidung, ob wir uns entschuldigen, nicht nur die Konsequenzen für uns selbst berücksichtigen, sondern auch die Folgen für die zukünftige Beziehung mit unserem Gegenüber nicht außer Acht lassen.

Okimoto, T. G., Wenzel, M., & Hedrick, K. (2013). Refusing to apologize can have psychological benefits (and we issue no mea culpa for this research finding). European Journal of Social Psychology, 43(1), 22-31.

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