Ein gut gelaunter Chef macht Laune – ein schlecht gelaunter auch

In einer älteren Ausgabe der Zeitschrift Harvard Business Manager steht ein Artikel, in dem es um die „Gefühlslage des Chefs“ und die Auswirkungen auf die Mitarbeiter sowie den Erfolg der Firma geht. Was wir alle irgendwie schon immer geahnt haben, wird durch diesen Beitrag bestätigt: Wenn der Chef schlecht drauf ist, geht’s auch mit der Stimmung in der Belegschaft bergab. Und ein chronisch miesepetriger Chef ist nicht nur eine Strafe für seine Mitarbeiter, sondern auch eine Gefahr für den Erfolg des Unternehmens.

Adhoc-Meldung: "Vorstandschef Dr. Piesepampel nimmt an zweiwöchigem Gute-Laune-Kurs teil."

Adhoc-Meldung: „Vorstandschef Dr. Piesepampel nimmt an zweiwöchigem Gute-Laune-Kurs teil.“

Ich darf mal ein paar Sätze aus dem Artikel zitieren: „Die Stimmung und die Verhaltensweise der Führungskraft prägen die emotionale Verfassung und die Verhaltensweise aller anderen Mitarbeiter. Ein cholerischer und rücksichtsloser Chef erzeugt ein schlechtes Klima im Betrieb, was dazu führt, dass er bald von lauter negativ eingestellten und wenig leistungsfähigen Mitarbeitern umgeben ist. Ein inspirierender, integrierender Vorgesetzter hingegen zieht sich Helfer heran, die jede Herausforderung frohgemut in Angriff nehmen. Das letzte Glied der Kette ist Leistung: in Form von Gewinn oder Verlust.“

Ist ja eigentlich klar und keine neue Erkenntnis, die unser Weltbild komplett auf den Kopf stellt, oder? Und völlig klar ist ebenso, dass auch die Chefs nicht immer nur gut drauf sein können. Sie müssen es aber auch nicht sein, bestätigen die Verfasser des Artikels. Nochmal ein Zitat: „Das heißt nicht, dass Chefs nicht auch mal einen schlechten Tag oder eine schlechte Woche haben dürften. So etwas gehört nun mal zum Leben. Und unserer Forschung zufolge müssen gute Stimmungen auch nicht bombig sein oder ununterbrochen anhalten. Es genügt, grundsätzlich optimistisch, offen und realistisch zu sein.“

Der Punkt ist der, so die Autoren, dass es die Pflicht der Führungspersonen ist, ihre eigenen Launen nicht dem Zufall oder dem Schicksal zu überlassen, sondern ihre Stimmungen selbst zu steuern und zu kontrollieren. Das sei eine zentrale Führungsaufgabe. Wie so etwas geht, könne man lernen, sagen die Verfasser des Beitrags. Vermutlich in Kursen, die sie selber anbieten.

Wenn es tatsächlich derartige „Gute-Laune-Kurse“ gibt, so könnten sich daraus weitreichende Konsequenzen ergeben. Nehmen wir mal an, der griesgrämige Vorstandschef eines börsennotierten Unternehmens, das in eine Schieflage geraten ist, entschließt sich auf Druck der Banken, an einem solchen Kurs teilzunehmen. Da wir ja nun wissen, wie wichtig seine Stimmung für den Erfolg der Firma ist, ist die Teilnahme des Chefs an dem „Gute-Laune-Kurs“ durchaus ein Faktor, der den Aktienkurs des Unternehmens beeinflussen kann. Daher wäre eine entsprechende Ad-hoc-Mitteilung fällig: „Vorstandschef Dr. Piesepampel nimmt an zweiwöchigem Gute-Laune-Kurs teil.“ Ich meine, das wäre mal eine Information, die wirklich wichtig wäre.

(Autor: Damian Sicking)

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