Dürfen Manager sich langweilen?

Die Kolumne von Damian Sicking

Wie oft haben Sie sich schon in Ihrer beruflichen Karriere gelangweilt? Niemals? Dann dürfen Sie aufatmen. Denn die Wissenschaft hat festgestellt, dass Langeweile im Job das Leben verkürzen kann. In einem anderen, aktuellen Experiment haben Forscher herausgefunden, dass Menschen sich lieber schmerzhafte Elektroschocks verabreichen ließen als einfach nur so da zu sitzen und nichts zu tun. Erstaunlich, nicht wahr? Offenbar ist Nichtstun etwas, was wir modernen Menschen nicht gut aushalten können. Obwohl gerade Nichtstun manchmal die beste aller Möglichkeiten wäre.

Auch wer viel zu tun hat, kann sich langweilen.

Auch wer viel zu tun hat, kann sich langweilen.

Womit wir beim Thema wären: Wie steht es eigentlich mit dem Thema Langeweile im Management? Manager, die sich langweilen? Das scheint ein Widerspruch in sich zu sein. Haben unsere Führungskräfte nicht die spannendsten, interessantesten und abwechslungsreichsten Jobs der Welt? Haben nicht Wissenschaftler exakt ausgerechnet, dass sich unsere Wirtschaftskapitäne alle neun Minuten mit einer anderen Aufgabe beschäftigen? Alle neun Minuten! Wie soll da Langeweile aufkommen!? Und außerdem heißt es doch: „Nur langweilige Menschen langweilen sich.“ Und unsere Führungskräfte sind ja zweifelsohne alles andere als langweilige Menschen. Oder???

Und trotzdem: Das Thema Langeweile im Management wird unterschätzt. Es ist ein Tabu. Man redet nicht darüber, zumindest nicht öffentlich. Aber trotzdem gibt es dies: Manager, die sich langweilen. Dass man viel zu tun hat, bedeutet nicht, dass man sich nicht langweilt. Andere sind Opfer ihrer eigenen erfolgreichen Delegierungsarbeit geworden und sitzen nun in ihren klimatisierten Räumen, drehen Däumchen und langweilen sich.

Ist eigentlich schon mal jemand der Frage nachgegangen, wie viele unternehmerische Entscheidungen der Langeweile des verantwortlichen Managers, Geschäftsführers oder Vorstandsvorsitzenden entsprungen sind? Ich bin sicher, dass da ganz schön was zusammen kommt. Die logische Anschlussfrage wäre: Wie gut waren diese Entscheidungen?

Menschen, die sich schnell langweilen, sind für Unternehmen gefährlich. Die machen zwar viel, aber eben viel Mist. Solche Menschen sind Fehlbesetzungen, wenn es um Top-Positionen geht. Anselm Bilgri, der frühere Mönch und heutige Unternehmensberater, hat dies in einem Interview auf den Punkt gebracht: „Wir müssen wieder lernen, Zeit einfach so vergehen zu lassen – und das für eine lange Weile, ohne dabei Langeweile zu empfinden.“

Wenn also ein Bewerber im Einstellungsgespräch sagt, dass er sich schnell langweilt, lautet mein Rat: Schicken Sie ihn wieder heim.

Kategorien: Allgemein, Kolumne

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