Der Vorgesetzte muss nicht die Stimmungskanone in der Firma sein

Die Kolumne von Damian Sicking

Am vergangenen Wochenende veröffentlichte das Handelsblatt auf seiner Internetseite ein lesenswertes Interview mit der Arbeitspsychologin Laura Venz. Schlagzeile: „Gut gelaunte Chefs haben erfolgreiche Teams“.

Ein sehr schlichter Kausalzusammenhang, den das Handelsblatt mit dieser Headline aufbaut, aber gut. Unter anderem geht es in dem Artikel um die Frage, ob der Chef dafür zuständig ist, dass die Mitarbeiter gut gelaunt sind. Meine Antwort: Sicher nicht! Eine Firma ist kein Kindergarten, und der Chef ist nicht für die Bespaßung der Angestellten zuständig. (Übrigens kennt das Autokorrekturprogramm meiner Textverarbeitungssoftware das Wort „Bespaßung“ nicht und schlägt mir stattdessen das Wort „Besamung“ vor. Bei aller Liebe, DAFÜR ist der Chef aber nun erst recht nicht zuständig. Es sei denn, es handelt sich um einen Familienbetrieb, also einen sehr kleinen Familienbetrieb. Aber das nur am Rande.)

Das – also dass der Chef nicht die Stimmungskanone der Firma zu sein hat – sieht auch Frau Venz so und sagt:

„…alles hat Grenzen. Eine Personalführung, die darauf abzielt, die Gefühle der Teammitglieder positiv zu beeinflussen, müsste ja tagesspezifisch angepasst werden, weil jeder Mensch jeden Tag anders fühlt. Das halte ich für zu viel verlangt. Aber selbstverständlich sollten sich Führungskräfte darüber im Klaren sein, dass die Arbeitsbedingungen die Gefühlswelt der Mitarbeiter beeinflussen. Cholerisches Verhalten etwa, fehlendes Feedback – wer die Zusammenhänge kennt und versteht, kann auch daran arbeiten, ein positives Betriebsklima herzustellen, in dem die Mitarbeiter sich positiv entfalten können. Das ist am Ende auch gut für den Unternehmenserfolg.“

Ich hatte mich mit diesem Thema – dem Einfluss der Laune der Chefs auf die Stimmung in der Belegschaft – an dieser Stelle ja schon einmal befasst. Die Überschrift des nach wie vor lesenswerten Beitrags lautet: „Ein gut gelaunter Chef macht Laune – ein schlecht gelaunter auch.“ Da ich damit rechnen muss, dass nicht alle diesen Artikel gelesen und auswendig gelernt haben, hier noch einmal die Kernaussage: Die Laune des Chefs hat durchaus erhebliche Auswirkung auf die Stimmung – und damit letztlich auch die Arbeitsleistung – in seinem Umfeld und auch in der gesamten Belegschaft. Der Chef ist zwar nicht direkt für die Gefühle seiner Mitarbeiter verantwortlich (s.o.). Aber er ist sehr direkt verantwortlich für seine eigenen Gefühle und seine eigene Stimmung. Natürlich: Niemand ist immer gut drauf. Auch der Chef nicht. Aber jeder, zumindest jeder, der mit anderen zusammenarbeitet – und der Chef an erster Stelle -, hat die Verpflichtung, sich nicht gehen zu lassen, auch was seine eigene Gefühlswelt, seine Stimmung, seine Laune betrifft. Vor allem natürlich wenn er schlecht gelaunt ist. „Jetzt reißen Sie sich mal zusammen!“ Das ist das Kommando zuallererst an die eigene Adresse.

Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Aber es gibt Hilfe. Es gibt sogenannte „Gute-Laune-Choaches“, die „Gute-Laune-Kurse“ anbieten. In diesen Kursen lernt man – so zumindest das Versprechen der Anbieter -, Tricks und Kniffe kennen, wie man schlechte in gute Laune umwandelt.

Wenn diese Kurse tatsächlich was taugen, könnten sich daraus weitreichende Konsequenzen ergeben. Nehmen wir mal an, der griesgrämige Vorstandschef eines börsennotierten Unternehmens, das in eine Schieflage geraten ist, entschließt sich auf Druck der Banken, an einem solchen Kurs teilzunehmen. Da wir ja nun wissen, wie wichtig seine Stimmung für den Erfolg der Firma ist, ist die Teilnahme des Chefs an dem “Gute-Laune-Kurs” durchaus ein Faktor, der den Aktienkurs des Unternehmens beeinflussen kann. Daher wäre eine entsprechende Ad-hoc-Mitteilung fällig: “Vorstandschef Dr. Piesepampel nimmt an zweiwöchigem Gute-Laune-Kurs teil.” Ich meine, das wäre mal eine Information, die wirklich wichtig wäre.

 

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