Darf man seinen Vorgesetzten ein „Kollegenschwein“ nennen?

Natürlich darf man seinen Vorgesetzten nicht ein „Kollegenschwein“ nennen. Zumindest nicht gegenüber dem Firmenchef. Dass dieser darauf aber mit einer fristlosen Kündigung reagiert, ist übertrieben. Findet jedenfalls das Landesarbeitsgericht Köln in einem speziellen Fall.

Wer den Vorgesetzten im Gespräch mit dem Firmenchef als „Kollegenschwein“ bezeichnet, dem kann nicht immer sofort gekündigt werden. Auch wenn eine Beleidigung des Arbeitgebers oder einer seiner Repräsentanten grundsätzlich zur fristlosen Kündigung führen kann. Das betonte das Landesarbeitsgericht Köln und hielt in diesem Fall lediglich eine Abmahnung für angemessen (Az. 11 Sa 905/13).

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Spontane Beleidigungen wollen gut überlegt sein. (Kleiner Scherz)

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline berichtet, sprach ein technischer Angestellter mit dem Vorstand des Unternehmens, um in eine andere Abteilung versetzt zu werden. Er akzeptierte seinen Teamleiter nicht, der ein „Kollegenschwein“ sei.

Der Chef aber setzte ihn nicht woanders ein, sondern vor die Tür: Denn auch wenn der Arbeitnehmer dies in einem vertraulichen Gespräch unter vier Augen äußerte, müsse der Chef die Beleidigung einer seiner Mitarbeiter nicht dulden und kündigte dem Angestellten daher fristlos. Dieser aber wiederum ließ sich dies Behandlung nicht gefallen und erhob dagegen Kündigungsschutzklage.

Das Landesarbeitsgericht Köln gab dem Gekündigten recht: Zwar stelle eine Beleidigung des Arbeitgebers, seiner Vertreter und Repräsentanten oder von Arbeitskollegen einen Pflichtverstoß dar, der an sich eine außerordentliche, fristlose Kündigung rechtfertigen kann. Jedoch seien stets die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen. In diesem Fall handelte es sich um einen einmaligen Vorfall, der sich zudem in Abwesenheit des gemeinten Teamleiters ereignete.

„Eine Abmahnung ist immer dann angebracht, wenn der Pflichtverstoß in Zukunft nicht mehr zu erwarten ist“, erklärt Rechtsanwalt Jörg Matthias Bauer. Das war nach Ansicht des Landesarbeitsgerichts hier der Fall. Dem Angestelltem hätte nur dann fristlos gekündigt werden dürfen, wenn es ihm hätte klar sein müssen, dass sein falsches Verhalten Konsequenzen nach sich ziehen würde.

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