Buchtipp: „Meetings sind Zeitverschwendung“

Sind alle Chefs tatsächlich für ihre Mitarbeiter unerreichbar? Verdienen Top-Manager viel zu viel? Macht Arbeit krank? Und natürlich auch: Sind Meetings wirklich nur bessere „Keks- und Kaffeepausen“? In seinem erhellenden und mitunter auch provozierenden Buch „Meetings sind Zeitverschwendung“ geht Hans Jürgen Heinecke 16 typischen Vorurteilen auf den Grund, die als Pseudo-Fakten durch (fast) alle deutschen Büros geistern.

Schluss mit der Sündenbocktheorie

WILEY VCH WEINHEIM GERMANY„Business-Irrtümer entstehen durch lichtstarke Scheinwerfer“, schreibt Heinecke, „ein kleiner Ausschnitt wird aufgehellt. Der Rest bleibt im Dunkeln.“ In seinen pointierten Essays gibt Ihnen der Autor die Möglichkeit, gewohnte Sichtweisen zu überdenken, um typische Pauschalurteile im alltäglichen Bürofrust ein für allemal über Bord zu werfen. Was Sie davon haben? Mehr Spaß an der Arbeit, einen besseren Draht zu Chefs und Kollegen, mehr Beinfreiheit unter dem Schreibtisch, weil die Barrieren althergebrachter Binsenweisheiten und Sündenbocktheorien nicht mehr greifen.

Arbeit macht nur dann krank, wenn der Freizeitstress dazukommt

Mit spitzen Fingern fischt Heinecke zunächst die „Work-Life-Balance“ aus dem Pool der Modewörter und stellt die Sinnfrage: Was genau wollen gestresste Workaholics ins Gleichgewicht bringen? Warum ist Arbeit das Gegenteil von Leben, wenn in der heiß ersehnten Freizeit doch nur eine Verpflichtung den nächsten Termin ablöst und deshalb eigentlich „Work-Work-Balance“ die passendere Bezeichnung wäre? Seine Empfehlung: „Selbstbestimmung“ ist der Gradmesser dafür, was als Arbeit oder als Freizeit wahrgenommen wird. Das Ausbalancieren ist dann im Idealfall gar nicht mehr nötig, weil die Grenzen an Bedeutung verlieren.

Und der Chef hört doch zu

Heinecke entzaubert den Mythos vom Chef, der nie ein offenes Ohr hat („Der Boss bewegt sich doch. Wenn auch nicht direkt und unmittelbar“), demaskiert die Pseudo-Logik von unmoralisch hohen Managergehältern (bei Spitzensportlern fällt die wesentlich höhere Bezahlung nicht auf, weil die Inszenierung für den Augenblick, emotional und mitreißend ist“). Und natürlich geht es auch um die Meetings, die per Titel scheinbar sinnlos sind. „Quark“, schreibt der Autor dazu. Meetings mit Agenda, klarer Zielsetzung und richtiger Rollenverteilung sind wahre Eisbrecher in der internen Kommunikation und Wegbereiter für überlebenswichtige Entscheidungen.

Fazit: Mit teils feiner Ironie, teils entwaffnend einfachen Argumenten entzaubert Heinecke all die verkrusteten Vorurteile, die Arbeit zum Feindbild stilisieren. Wer das Buch liest, gewinnt – zumindest einen deutlichen Motivationsschub im Büroalltag.

Rezensent: Oliver Ibelshäuser, www.Management-Journal.de

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Hans Jürgen Heinecke: „Meetings sind Zeitverschwendung“, Wiley 2014, 208 Seiten, 14,99 Euro (ISBN: 352750785X)

 

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