Buchtipp: „Führen live“

Irgendwo auf den ersten Seiten des Vorworts steht der kluge Satz, dass es natürlich keine Schande ist, als Führungsfigur im Unternehmen Fehler zu machen und daraus zu lernen. Noch besser aber sei es, diese Fehler anderen zu überlassen und trotzdem für die eigenen Aufgaben die richtigen Schlüsse zu ziehen. Genau darum geht es im Buch „Führen live“ vom Autoren-Team Thomas Saller, Johannes Sattler und Ben MacKenzie. Anhand von 30 Case Studies nehmen sie typische Führungsprobleme unter die Lupe. Junge und erfahrene Manager sprechen dabei über Konflikte und Herausforderungen im Businessalltag und erklären, welche Instrumente sich dabei als hilfreich erwiesen haben.

Führung lernen anhand von Fallbeispielen

Haufe_Führen_liveBasketballspieler reden über Teammotivation, Jung-Manager über die divergierenden Erwartungen von neuen Mitarbeitern und alte Hasen über „unbequeme Personalentscheidungen“. Die Fallstudien sind durchaus unterschiedlich, die Herangehensweise der Autoren aber ist einheitlich: Immer lassen sie zunächst die jeweilige Führungskraft den Fall schildern und die Lösung ableiten. Im Anschluss folgt eine Analyse mit Lerncharakter, in der die wichtigsten Managementmethoden und -instrumente im jeweiligen Kontext besprochen werden. Das macht Appetit auf bessere Führungsarbeit und vermittelt jungen Leadern fast beiläufig das Know-how, das sie haben müssen, um einen nachhaltig guten Job zu machen.

Fast beiläufig werden die wichtigsten Führungs-Theorien vermittelt

In den Analysen der dargestellten Fallbeispiele zeigen die Autoren, was sie drauf haben. Und das ist das kleine und das große Einmaleins des Führungswissens. Ob es um die von General Electric entwickelte „Nine-Grid-Box“ zur Leistungskategorisierung geht (die später von BCG zu einer Vierfelder-Matrix vereinfacht wurde), um die ebenso knappe wie präzise Darstellung der Transaktionsanalyse (einer lösungsorientierten Variante der Psychoanalyse, sehr wirkungsvoll zum Erkennen und Entschärfen von Konflikten) oder einfach um die „10 Grundregeln für gute Besprechungen“ – „Theorie“ wird hier immer so präsentiert, dass Sie im Führungsalltag handlungsleitend umgesetzt werden kann.

Keine individuellen Probleme, sondern strukturelle Herausforderungen

Die Ratschläge, Tipps und Theorien werden bei den Lesern hängen bleiben. Denn die Autoren knüpfen mit ihren Fallbeispielen direkt an den Erfahrungshintergrund von Führungskräften an. „Was tun, wenn ein Mitarbeiter auch nach expliziter Aufforderung nicht das tut, was man von ihm erwartet (die ganze Spanne vom Ignorieren bis zum Kündigen nutzen), was tun, wenn ich als Führungskraft von den Mitarbeitern nicht akzeptiert werde (die „8 Quellen der Macht“ überprüfen). Eine wichtige Message liefert das Buch „Führen live“ fast nebenbei: Es zeigt Führungskräften, dass sie es nicht mit individuellen Problemen, sondern mit strukturellen Herausforderungen zu tun haben. Ein wichtiger Schritt zu einem entspannteren Verhältnis zum Führungsjob.

Fazit: „Führen Live“ ist ein Lehrstück in Sachen vorbildlicher Managementarbeit. Anhand echter Fälle zeigen die Autoren, mit welchen Ideen und Werkzeugen ein Großteil der Führungsaufgaben bewältigt werden kann. Wertvolles Buch!

(Rezensent: Wolfgang Hanfstein,  www.Management-Journal.de)

Autor: Thomas Saller, Johannes Sattler, Ben MacKenzie: “ Führen live“, Haufe 2014, 379 Seiten, 29,95 Euro

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