Auto: Kalkulierter vs. tatsächlicher Restwert – Leasingnehmer muss blechen

Niedrige Leasingraten haben einen Haken: Der Händler kalkuliert mit einem hohen Restwert des Fahrzeugs. Ist der tatsächliche Restwert niedriger, muss der Leasingnehmer die Differenz ausgleichen.

Wenn der Autohändler mit besonders niedrigen Leasingraten lockt, sollten Sie sich den Vertrag genau anschauen. Handelt es sich nämlich um einen sogenannten Restwertvertrag, könnte bei der Rückgabe eine böse Überraschung auf Sie warten.

Wie der Nürnberger Fachanwalt für Verkehrsrecht und Leiter des Fachausschusses „Werkstatt/Reparatur/Mängelbeseitigung“ des VdVKA, Oliver Fouquet, erklärt, kann es beim Leasing durchaus entscheidend sein, ob ein Restwert- oder Kilometervertrag abgeschlossen wird.

Leasingfahrzeug: Bei der Rückgabe kann es richtig teuer werden.

Leasingfahrzeug: Bei der Rückgabe kann es richtig teuer werden.

So wird bei Kilometerverträgen eine bestimmte Laufleistung über die Leasinglaufzeit vereinbart. Wird das Fahrzeug in einem dem Alter entsprechenden Zustand ohne größere Mängel oder Schäden und der vereinbarten Laufleistung abgegeben, gibt es keine Probleme. Nachzahlen muss der Kunde nur, wenn die vereinbarte Kilometerleistung überschritten wurde, dann darf der Leasingnehmer pro Kilometer ein Ausgleichsbetrag fordern.

Beim Restwertvertrag sieht es anders aus: Hier wird der Zustand des Fahrzeugs bewertet. Dabei wird der Händlereinkaufswert, den das Auto bei der Rückgabe hat, mit dem im Vertrag vereinbarten Restwert verglichen. Das Problem: Um die Leasingraten möglichst niedrig zu halten, wird nicht mit einem realistischen, sondern mit einem sehr hohen Restwert des Fahrzeugs kalkuliert. Wird das Fahrzeug dann zurückgegeben, hat es oftmals einen erheblich niedrigeren Restwert als den, der im Vertrag vereinbart wurde. Der Leasinggeber kann dann vom Kunden den Ausgleich für diese Differenz verlangen. Und schon ist das Geld, das man sich durch die niedrigen Leasingbeiträge gespart hat, wieder futsch.

Hoffnung auf juristischen Beistand brauchen sich Leasingnehmer, die sich in so einer Situation betrogen fühlen, nicht zu machen: Laut einem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofs ist die vereinbarte Ausgleichspflicht zwischen kalkuliertem Restwert und tatsächlichem Restwert in Leasingverträgen nämlich wirksam (Az.: VIII ZR 179/13).

In dem verhandelten Fall war für einen Pkw zum Vertragsende ein Restwert von 19.455,48 Euro vereinbart worden. Die Bewertung des Zustands bei der Rückgabe ergab aber nur einen Wert von 12.047,89 Euro. Der Leasinggeber verlangte daraufhin eine Nachzahlung in Höhe von 7.105,48 Euro. Wie der Bundesgerichtshof bestätigte, ist das in Ordnung und hätte für den Kunden keinesfalls überraschend sein dürfen. Nach Ansicht der Richter dürfe nämlich auch ein juristisch nicht vorgebildeter Durchschnittskunde nicht davon ausgehen, dass Aufwand der Leasinggeberin mit niedrigen Leasingraten tatsächlich schon abgegolten ist. Daher sei die vereinbarte Klausel – beziehungsweise die daraus resultierende Ergebnis – weder überraschend noch intransparent. Vielmehr handle es sich bei der Restwertausgleichszahlung um einen Teil des Entgelts für die Gebrauchsüberlassung des Fahrzeugs.

Rechtsanwalt Fouquet empfiehlt Leasingnehmern, die einen Restwertvertrag abschließen wollen,vorher zu überprüfen, ob der Restwert wirklich realistisch ist.

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