Auch wenn´s ihm stinkt: Headhunter darf Gründe für Ablehnung eines Kandidaten nicht verraten

Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main hat einen Personalberater zu Schadenersatz verurteilt, weil er einer abgelehnten Bewerberin mitteilte, dass sein Auftraggeber sie als Frau nicht einstellen wollte. Darauf verweist der Stuttgarter Fachanwalt für Arbeitsrecht Michael Henn, Präsident des VDAA – Verband deutscher ArbeitsrechtsAnwälte e. V. mit Sitz in Stuttgart, unter Hinweis auf die Mitteilung des Oberlandesgerichts (OLG) Frankfurt am Mainvom 9.05.2014 zu seinem Urteil vom 8.5.2014, Az. 16 U 175/13.

Paragraf Papier Long Shadow BuntDer Fall: Ein Maschinenbauunternehmen beauftragte einen Headhunter mit der Suche nach einem geeigneten Kandidaten für die Position eines technischen Verkäufers. Nachdem der Headhunter die Unterlagen einer Bewerberin übersandte, teilte der Personalleiter des Maschinenbauers ihm mit, dass man für die Position keine Frau wünsche. Die Bewerberin kam also nicht zum Zuge.

Nachdem der Vertrag zwischen Unternehmen und Personalberater beendet war und letzterer sein Honorar erhalten hatte, teilte der Headhunter der Kandidatin mit, dass die Firma keine Frau einstellen wolle. Zugleich bezeichnete er das Verhalten des Maschinenbauunternehmens als skandalös und diskriminierend und riet der Bewerberin sogar, sich wegen eines möglichen Schadenersatzes an einen Rechtsanwalt zu wenden. In der Tat verklagte die abgelehnte Bewerberin das Unternehmen wegen Verstoßes gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG).

In dem arbeitsgerichtlichen Verfahren schloss das Maschinenbauunternehmen mit der Bewerberin einen Vergleich über eine Entschädigung in Höhe von 8.500 Euro. Diesen Betrag sowie weitere Folgekosten – insgesamt rund 11.500 Euro – fordert die Firma im vorliegenden Gerichtsverfahren von dem Headhunter mit der Begründung zurück, dieser habe seine vertragliche Verschwiegenheitsverpflichtung ihr gegenüber verletzt.

Das zunächst angerufene Landgericht hatte die Klage abgewiesen. Auf die hiergegen vom Maschinenbauer eingelegte Berufung hat das OLG das erstinstanzliche Urteil nun abgeändert und den Beklagten zum Ersatz eines Drittels des der Klägerin entstandenen Schadens verurteilt.

Zur Begründung führt das Gericht aus, der Beklagte sei schadenersatzpflichtig, weil er seine vertraglichen Verschwiegenheits- und Treuepflichten gegenüber der Klägerin verletzt habe. Es liege auf der Hand, dass der Headhunter aus der Natur des Vertrages heraus verpflichtet war, über die ihm im Rahmen seiner Tätigkeit bekannt werdenden Informationen Stillschweigen zu bewahren. Dies umso mehr, als der Beklagte im Vorfeld – auf einem von ihm in Umlauf gebrachten Flyer – mit seiner strikten Diskretion geworben hatte. Diese Verschwiegenheits- und Treuepflicht habe der Personalsucher verletzt, indem er der abgelehnten Bewerberin die Gründe für die Absage mitgeteilt und auf einen Verstoß gegen das AGG hingewiesen habe.

Der Headhunter könne sich auch nicht darauf berufen, zur Weitergabe dieser Gründe berechtigt gewesen zu sein. Zwar werde im Arbeitsrecht die Erstattung einer Strafanzeige des Arbeitnehmers gegen seinen Arbeitgeber als zulässig erachtet. Der Headhunter habe allerdings keine Strafanzeige wegen einer möglichen Straftat der Maschinenbaufirma erstattet, sondern der Bewerberin einen Verstoß gegen das AGG mitgeteilt. Ein solcher Verstoß stelle nach dem Willen des Gesetzgebers keine Straftat dar, sondern führe lediglich zu einem zivilrechtlichen Entschädigungsanspruch des Betroffenen. Gehe es allein um einen zivilrechtlichen Sachverhalt, könne sich der Headhunter auch nicht darauf berufen, im Interesse der Allgemeinheit gehandelt zu haben.

Unabhängig von diesen Erwägungen verdiene das Verhalten des Headhunters auch deshalb keinen Schutz, weil es unverhältnismäßig gewesen sei. Der Headhunter habe die abgelehnte Bewerberin regelrecht angestachelt, seine Auftraggeberin wegen einer Entschädigung in Anspruch zu nehmen.

Gleichwohl könne die Maschinenbaufirma nur ein Drittel des ihr entstandenen Schadens von dem Beklagten ersetzt verlangen, denn sie müsse sich ein überwiegendes Mitverschulden anrechnen lassen. Insoweit sei zu berücksichtigen, dass der Schaden zwar dadurch eingetreten sei, dass der Headhunter gegen seine Verschwiegenheitspflicht verstoßen habe. Die Firma habe aber die wesentliche Ursache für den Schaden selbst gesetzt, indem sie es war, die den Verstoß gegen das AGG begangen habe.

Was lernen wir daraus? Auch für Headhunter gilt, um mit einem Buchtitel zu sprechen, „Einfach mal die Klappe halten“ – wenn´s auch schwer fällt. Und Sie, der einen Headhunter beauftragt, was lernen Sie daraus? Tja…

Kategorien: Allgemein, News, Recht

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